Freitagspost

Freitagspost: Müssen wir nun Angst vorm Bloggen haben?

22. Juni 2018
Angst vorm Bloggen-Abmahnwelle Blogger-Vreni Frost Abmahnung-EU Uploadfilter

Ich habe vor fünf Jahren angefangen zu bloggen. Damals freute ich mich gerade darüber, dass ich nun ohne Zensur Inhalte im Web veröffentlichen kann. Früher habe ich beruflich oder in der Schule schon geschrieben, doch da wurden meine Artikel redigiert und erstmal überprüft. Ein Blog, das heißt Freiheit. Inhalte veröffentlichen ohne Zensur. Doch langsam frage ich mich, ob sich das nun ändert. Klar, wir können immer noch Inhalte, wie wir es wollen veröffentlichen. Doch müssen wir nun Angst vorm Bloggen haben? Doch durch die vielen Gesetzesbestimmungen was DSGVO und die ganzen Abmahnwellen angeht, löschen viele ihre Blogs oder kennzeichnen panisch Inhalte rückwirkend als Werbeposting, auch wenn sie nur einen selbstgekauften MAC Lippenstift darauf zeigen.

Angst vorm Bloggen-Abmahnwelle Blogger-Vreni Frost Abmahnung-EU Uploadfilter

 

Die Abmahnwelle auf Instagram

Laut des Urteils ist nun jeder Post/Beitrag auf meinem Profil kommerziell einzuordnen. Aus diesem Grund sind selbstgekaufte Produkte und deren Verlinkungen ebenfalls WERBUNG!!!

Im Fall von aenna_xoxo hat das Landgericht Osnabrück entschieden, dass jedes einzelne Posting auf ihrem Instagram Kanal als werblich einzustufen ist, da sie schon mal Kooperationen hatte. Das bedeutet also schlichtweg, jeder Post ist Werbung… Auch wenn sie nur ihren Hund zeigen würde, sofern sie denn einen hat. Ist das völlig absurd? Ja! Aktuell häufen sich solche Meldungen über Instagrammer, die abgemahnt werden. Ich kenne selbst keinen davon persönlich, doch ich finde es erschreckend.

VreniJusticeLeague

Bloggerin Vreni Frost wurde wegen Schleichwerbung abgemahnt. Nicht etwa wegen ungekennzeichneter Werbepostings, sondern weil sie Marken auf ihrem Account vertaggt hat.

Die Tags stellen eine redaktionelle Handlung dar, so wie auch jedes Magazin Produkte vorstellt und am Ende des Hefts ein Herstellerverzeichnis anbietet. Easy eigentlich, oder?

Spannend, was hier geschrieben wird auf der Spendenseite für Vreni’s Gerichtsprozess:

Auch sind große Verlage Mitglied im Verband Sozialer Wettbewerb. Einige Magazine dieser Verlage unterhalten ebenfalls Instagram Accounts und verfahren dort genauso wie Vreni, erwähnen Marken sogar noch deutlicher, ohne es als Werbung zu kennzeichnen. Hier wird mit zweierlei Maß gemessen. Nicht mehr so easy!

Vreni steht nun unter Generalverdacht, dass alle ihre Postings bezahlt sind. Genauso wie aenna_xoxo. Spannend: Sie muss eigentlich nur eine geringe Geldstrafe zahlen wegen der Abmahnung (siehe Interview mit Refinery 29). Wenn sie allerdings die Unterlassungserklärung unterschreibt, muss sie jedes einzelne ihrer Instagram Postings auch rückwirkend kennzeichnen. Wenn sie das irgendwo vergisst, ist die nächste Geldstrafe gleich viel höher. Vreni hat in der ersten Instanz verloren und möchte im schlimmsten Fall bis zum BGH gehen – was sie vermutlich ihre ganzen Ersparnisse kosten wird oder könnte. Daher die Spendenseite! Dieses Thema geht nun mal leider alle Instagrammer und Blogger etwas an… deswegen mache ich auch hier darauf aufmerksam.

Angst vorm Bloggen-Abmahnwelle Blogger-Vreni Frost Abmahnung-EU Uploadfilter

EU-Rechtsausschuss stimmt für Upload-Filter

Diese Woche hatte ich über den sogenannten Upload-Filter berichtet. Am 20.06.18 hat sich die EU dafür entschieden. Ihr könnt darüber auf einigen Artikeln, wie im Spiegel, nachlesen:

Kritiker befürchten durch eine solche Neuregelung das Ende des freien Internets und sehen die Meinungsfreiheit bedroht. Upload-Filter würden für Zensur sorgen. Außerdem kritisieren sie, dass Upload-Filter nicht wissen können, ob geschützte Inhalte legal – etwa als Parodie oder Zitat – genutzt werden. Sie sehen auch das Erstellen sogenannter Memes, die häufig auf Kurzsequenzen aus bekannten Filmen beruhen, gefährdet.

Netzpolitik spricht von einem Schlag gegen die Netzfreiheit. Diesen Sonntag findet anlässlich dazu eine weitere Demo in Berlin statt.

Ich sehe diese Entwicklung nach wie vor sehr kritisch. Meiner Ansicht nach werden wir in unserer Pressefreiheit derzeit immer stärker eingeschränkt, hauptsächlich aus finanziellen Motiven von großen Verlagen, die sich in ihrer Existenz durch das Internet bedroht sehen. Da ist Zensur nicht die Lösung, um wieder Geld in die Verlagshäuser zu spülen.

Habt ihr die Thematik mit der Abmahnwelle, dem Prozess von Vreni und auch dem Upload-Filter verfolgt? Wie ist eure Meinung?

 

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6 Kommentare

  • Antworten Saskia 22. Juni 2018 um 16:31

    Wenn doch eh jedes einzelne Posting als Werbung eingestuft wird, dann müsste doch gar nicht noch zusätzlich gekennzeichnet werden, weil ja eh alles Werbung ist – so würde ich es sehen. Dann reicht es, dass man ein Business Profil hat – diese gelten als Werbung. Fertig.

    Herrje, ich finde das alles sooooo blöd.

  • Antworten Daniela 22. Juni 2018 um 21:09

    Find es so toll wie du das machst😊

  • Antworten Carolin 23. Juni 2018 um 19:16

    Einfach ätzend, wie sich das Internet gerade entwickelt. Da vergeht einem die Lust an allem.

  • Antworten Nicole 24. Juni 2018 um 15:26

    Ich möchte auch noch unbedingt zum Thema Upload Filter und Leistungsschutzrecht bloggen. Habe darauf nun schon in den Sozialen Netzwerken aufmerksam gemacht, weil viele das durch die WM immer noch nicht mitbekommen hatten. Schon alleine die Abstimmungsdaten in die Zeit zu legen, ist ziemlich dreist. Dass da im TV null berichtet wird, sehe ich auch extrem kritisch. Denn was da geplant ist, spricht nicht unbedingt für einen demokratischen Staat, denn es zieht eine Zensur des Internets nach sich und auch die Informationsfreiheit, von dem das Internet ja lebt, geht verloren. Experten haben auch schon darauf hingwesen, dass die Linksteuer Fake News noch leichter den Weg bereitet und gerade das ist ja auch keine positive Entwicklung dann und etwas, was man eigentlich verhindern sollte. Zumal einige der Abgeordneten vergessen haben, dass sie Volksrepräsentanten sind und nicht die der Lobby. Die Mehrheit möchte ganz klar nichts von Beidem und viele haben das auch deutlich gemacht auf Twitter oder in dem sie die Petition von Change.org unterschrieben haben.

    Zur Sache mit Werbung auf Insta: Ich verstehe da den Sinn auch nicht, denn wie du schon geschrieben hast: Da wird mit zweierlei Maß gemessen, wenn man bei Bloggern statte Staffen verhängt, das aber bei Magazinen in der Form Gang und Gebe ist. Ich bin mit meiner followerzahl zum Glück nicht betroffen, weil die wohl auch ausschlaggebend für das Urteil war, aber kann alle verstehen, die da mehr Follower haben und nun verunsichert sind und Angst vor Abmahnungen haben.

    Im Moment fehlt mir aufgrund der ganzen Entwicklung auch etwas die Lust am bloggen. Eigentlich habe ich Beitrags Ideen, aber ich kann mich nicht aufraffen die wirklich umzusetzen.

  • Antworten WAS WAR LOS, ANNI? | ICH WERDE ALT - ANNI PASTEL 25. Juni 2018 um 22:21

    […] andysparkles: Müssen wir nun Angst vorm Bloggen haben […]

  • Antworten Celine 27. Juni 2018 um 14:11

    Natürlich habe ich das Thea verfolgt! Als BLoggerin und angehende Jurstin, gibt es im Moment wohl kaum etwas interessanteres für mich.
    Am Wochenende werde ich mich damit auch auf beiden Ebenen ncoh weiter auseinandersetzen und einen Blogpost dazu verfassen.

    XX Celine
    http://www.celinesofficial.com

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