Freitagspost

Wie deine Kindheit deine Art zu lieben beeinflusst

8. Februar 2019
Wie deine Kindheit deine Art zu lieben beeinflusst

Wieder hat mich ein YouTube Video zu einem Freitagspost inspiriert. Ich bin ganz zufällig darüber gestolpert, weil ich viel über ähnliche Themen zu Dating und Beziehungen angeschaut habe. In Beziehungen, Affären, Familie oder engen Freundschaften finde ich mich sehr oft in den gleichen Mustern wieder. Das Muster ist im Grunde immer gleich: Ich setze nicht wirklich eigene Grenzen, versuche der anderen Person wirklich alles zu geben und scheitere immer wieder kläglich daran, dennoch nicht „genug“ zu sein. Am Schluss geht es mir schlecht, weil meine Grenzen tausendfach überschritten worden sind und das gewünschte Resultat – ein glückliches Verhältnis mit der anderen Person – niemals erreicht wird. Das ist mir selbst erst seit einiger Zeit wirklich bewusst geworden und in diesem Video und auch in meinem Freitagspost geht es genau darum. Wie deine Kindheit deine Art zu lieben beeinflusst.

 

Wie deine Kindheit deine Art zu lieben beeinflusst

 

Zwischen „Pleaser“ und „Victim“

Meine Kindheit war im Grunde gar keine. Ich durfte nicht „Kind sein“, sondern musste tagtäglich versuchen dem Chaos zu entfliehen. Ich habe meine Vergangenheit immer komplett aus dem Blog herausgehalten. Doch mittlerweile bin ich mir gar nicht mehr sicher, ob ich das wirklich muss. Muss ich mich für Dinge schämen, für die ich gar nichts kann? Vielleicht kann ich stattdessen meine Erfahrungen teilen und kann vielleicht anderen damit helfen.

Ohne mich jetzt in zu vielen Details zu verlieren: Wenn ich als kleines Mädchen mal nicht „richtig“ reagiert habe, nicht brav und still in der Ecke saß, dann hatte das katastrophale Konsequenzen für mich. Deswegen werde ich noch heute bei jeder Streitsituation schnell panisch, gebe direkt klein bei und es fällt mir wahnsinnig schwer, Nein zu sagen. Zu groß ist die Angst, verletzt oder verlassen zu werden. Ich möchte jeden glücklich machen. Das funktioniert selbstverständlich nie. Wenn es wieder nicht klappt, breche ich völlig zusammen, weil ich unter dem Druck nicht klar komme. Mich selbst so zu verbiegen, bis ich der anderen Person endlich genüge. Ehrlich zu mir selbst zu sein, mir klar werden über meine Gefühle und nicht nur mich so zu verhalten, wie es von mir erwartet wird? Eine Herausforderung.

Gleichzeitig kenne ich auch die Situation des „Victim“ aus dem Video. Ich lasse mich ständig mit Menschen ein, die mich kontrollieren – weil ich das so gut kenne. Es ist vertraut. Chaos und Streit ist für mich viel selbstverständlicher als Frieden, weil ich nie etwas anderes kannte aus meiner Kindheit. Deswegen ist meine Grenze da sehr viel höher als bei anderen. Selbst wenn ich komplett respektlos behandelt werde, breche ich mit engen Freunden oder Partnern nicht direkt Kontakt ab. Ich lasse es so lange weiterlaufen und mich weiter kontrollieren, maßregeln und belächeln, bis es richtig explodiert. Denn erst dann ziehe ich eine Grenze.

 

Wie deine Kindheit deine Art zu lieben beeinflusst

 

Wie deine Kindheit deine Art zu lieben beeinflusst

Mein Ziel ist es, dauerhafte und stabile Freundschaften und Beziehungen zu führen. Die auf Ehrlichkeit basieren, Loyalität und Liebe. Ohne Kontrollzwang, Misstrauen und das Gefühl der Überlegenheit von einem der Partner. Ich möchte sagen können, wie ich mich fühle, ohne dafür belächelt oder gemaßregelt zu werden. Fehler machen dürfen. Mal nicht perfekt sein. Meine eigene Meinung haben.

Der erste Schritt dafür muss von mir selbst kommen. Doch es ist wirklich hart, so sehr für sich einzustehen. Viel härter, als sich einfach nur wieder zu verbiegen, so wie immer. Deswegen habe ich in letzter Zeit Menschen verloren in meinem Leben. Wenn du nie deine Meinung sagst und dann plötzlich damit anfängst, dann bringt das natürlich erst mal eine Reaktion: Unverständnis. Vielleicht sogar Hass. Schließlich hast du ganz plötzlich Regeln geändert, die vielleicht bei der einen Person über Monate oder bei der anderen über Jahre so funktionierten. Nur eigentlich ja eben nicht, denn du hast dich immer fremd in deinem Leben gefühlt dabei.

Für mich ist es Zeit, mich in meinem Leben angekommen zu fühlen. Mich selbst komplett zu akzeptieren, kein „Pleaser“ und auch kein „Victim“ zu sein.

Kennt ihr die Problematik – habt ihr manchmal das Gefühl, dass auch eure Kindheit heute eure Art zu lieben beeinflusst? Habt ihr im Leben schon mal radikale Entscheidungen treffen müssen, die eure Beziehung zu Freunde, Familie oder dem Partner für immer verändert haben?

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2 Kommentare

  • Antworten Babyblue 9. Februar 2019 um 06:43

    Liebe Andy, hab Deinen „Teaser“ für diesen Post auf Deinem Instaprofil gesehen und dachte: Heute besuchst du sie endlich mal 😉

    Ich verstehe gut, dass es vielleicht etwas Überwindung gekostet hat aller Welt einen kleinen Einblick in Dein Privatleben zu geben. Ich überlege auch immer, ob ich einen Post wirklich raushauen soll oder lieber nicht. Denn so macht man sich ja auch angreifbar. Also erstmal Hut ab für Deinen Mut zur Offenheit.

    Mit dem Thema Beziehungen habe ich mich zwar auch jahrelang beschäftigt, aber ehrlich gesagt bei all dem nie groß drüber nachgedacht, ob bzw. was aus meiner Kindheit kommen könnte. Mich hat es bisher immer ewas genervt wenn mir nahestehende Menschen irgendetwas aus der Kindheit „anhängen“ wollten, nur weil ich mich in gewissen Siutationen anders verhalte als sie selbst. Ich bin z.B kein Nähemensch. Ob das aus der Kindheit kommt? Keine Ahnung. Ich fühle mich gut damit und will da auch gar nicht pathologisiert werden, nur weil andere gern mehr Nähe haben oder hätten. Ich meine, ich hatte eine schöne Kindheit, aber ein Psychologe würde das vielleicht ganz anders sehen, denn es gab auch bei mir ein Dinge die etwas außer der Reihe waren. Und wenn ich lese, dass Du schreibst, du hattest eigentlich gar keine richtige Kindheit dann muss es schon heftig bei Dir gewesen sein.

    Dass Du inzwischen Grenzen ziehst und Deine Meinung vertrittst das ist doch super. Klar, anfangs werden sich wohl noch einige auf den Schlips getreten fühlen, weil sie Dich so noch nicht kennen. Es ist sicher nicht einfach, dann auch Menschen zu verlieren. Aber wem wirklich was an Dir liegt, der wird sich deshalb nicht abwenden.

    Was mir sehr gut tat in Sachen Beziehung waren das Tanzen und Wing Tsung. Beim Paartanz kann man ganz viel auf die Beziehungsebene übertragen. Es ist schwer zu beschreiben, aber man muss einerseits ein gutes Team sein und miteinander harmonieren, aber dennoch hat jeder seinen Part. Tanzt zB. eine Frau sehr dominant, braucht sie einen Tanzpartner der in der Lage ist sie zu „bändigen“. Ist ein männlicher Tänzer aber in der Führung zu straff, kann sich die Frau nicht entfalten und sich tänzerisch nicht gut präsentieren oder sie hat bald keine Lust mehr mit dem Typen überhaupt zu tanzen. Sehr wichtig ist auch Vertrauen, nur dann kann man bestimmte Figuren tanzen. Man ist gleichberechtigt und dennoch hat jeder seine Rolle zu tanzen. Heute fällt es zB auch vielen Frauen schwer, die Führung überhaupt mal abzugeben…

    Was Grenzen setzen betrifft, war der Kampfsport super. Mein Trainer meinte zu mir: Dein Blick kann töten, was das betrifft, biste super. Damit wirste schon einige potentielle Angreifer vergraulen können. Aber zieht es auch durch !!!!
    Denn ein großes Thema bei Frauen ist in der Selbstverteidigung die Schlaghemmung. Auch hier kann man das gut aufs Beziehungsleben übertragen. Die meisten Frauen scheuen sich eben davor, anderen wehzutun und lassen sich lieber selbst verletzen. Bei mir war es so, dass ich diese Schlaghemmung nicht grundsätzlich hatte wie andere, aber sobald der „Böse“, der mich bedroht wieder nett wird (mich also einlullt) bin ich sofort wieder „lieb“. Mein Trainer meinte: Hey, du hast so gut angefangen, warum ziehst du jetzt nicht durch? Nur weil er dir grad zwischendurch schöne Augen macht? Ich sagte ja, ist ja nicht nötig über das Maß hinaus zu gehen. Er erwiderte: Doch, ist es, denn er wollte dich angreifen. Und in der Not hast du nur diese eine Chance!
    Im real Life ist es bei mir eben auch so. Ich wehre mich zwar schnell (verbal in Diskussionen oder Streits), aber sobald der andere mir „schöne Augen macht“, gebe ich nach… und denke: warst du jetzt doch zu hart? Ich bin also nicht sehr konsequent.

    Vielleicht hast Du ja Lust mal in ein paar Monaten zu berichten, wie es bei Dir in Sachen Beziehungen weitergeht, wenn Du jetzt besser auf Deine Grenzen achtest. Das fände ich interessant.

    Sei lieb gegrüßt
    Bianca

    PS: mein Blog liegt grad auf Eis, aber ich hoffe nicht mehr lange

  • Antworten Saskia 9. Februar 2019 um 09:58

    Sicherlich. In der Kindheit werden Werte und Sichtweisen vermittelt, die natürlich auch heute noch einen Einfluss haben – mal mehr, mal weniger…

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