Freitagspost

Endlich unabhängig werden – oder lieber nicht?

8. März 2019
Endlich unabhängig werden

Ich fand schon immer das Leben von Aussteigern spannend. Hausbesetzer, Anarchisten, Menschen die sich komplett unabhängig machen. Ein Leben in absoluter Freiheit. Deswegen ziehen mich immer Menschen in ihren Bann, die einen anderen Weg wählen. Als Freelancer arbeiten, sich von Job zu Job hangeln und keinen geradlinigen Weg im Leben wählen. Meiner war es auch nicht. Ich habe nicht Abitur gemacht und studiert, sondern mit 16 die Schule abgebrochen um meine eigene Wohnung zu finanzieren. So habe ich mich immer weiterentwickelt: Ausbildung im Büro, erste Jobs im Marketing, Bloggen, Marketing Manager. Digitale Nomaden faszinieren mich, die von Bali aus an ihrem Mac arbeiten und heute hier, morgen da leben. Diese Freiheit! Ich denke da oft darüber nach. Doch wäre das auch etwas für mich? Wie viel Unabhängigkeit ist sinnvoll – oder machen wir uns dadurch nur noch abhängiger?

 

Endlich unabhängig werden

 

Wie viel Unabhängigkeit ist sinnvoll?

Warum wollen wir keine feste Beziehung mehr

Gerade in Berlin oder auch in unserer Generation ist eine feste Beziehung ganz gewiss nicht mehr selbstverständlich. In einer Beziehung verlierst du ein Stückchen Unabhängigkeit. In gesunden Beziehungen ist eine gewisse Abhängigkeit normal, die kommt sozusagen im Paket mit dazu, gerade wenn man irgendwann die Wohnung teilt oder gemeinsame Kinder hat. Natürlich verlierst du auch schon vorher etwas Unabhängigkeit: Du musst Absprachen treffen, Kompromisse finden, die Gefühle deines Partners achten. Da hört für ganz viele gehörig der Spaß auf. Diese Art von Unabhängigkeit kann ich selbst für mich nicht nachvollziehen. Ok, vielleicht kann ich jedes Wochenende feiern gehen, ohne dass es dadurch zu Streit kommt, ständig neue Leute kennen lernen und flirten, Entscheidungen jeglicher Art treffen ohne vorher zu fragen. Das ist vielleicht mal phasenweise gut so – doch dauerhaft? In vielen Diskussionen zu dem Thema konnte ich nie den Vorteil davon erkennen.

 

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Wenn Unabhängigkeit zur Abhängigkeit wird

Bei Freelancern erlebe ich es oft so: Sie flüchten aus dem verhassten 40 Stunden Job, nur um dann endlich ihr eigener Boss zu sein. In der Realität ist es allerdings so, dass du dann keine 23-30 Tage Urlaub mehr hast pro Jahr, keinen Feierabend ab 18 Uhr und auch kein Wochenende. Du bist immer am Rechner, immer auf Abruf und ob du jetzt in Urlaub fährst, überlegst du dir gleich dreimal, um ja keinen Job zu verpassen. Denn egal wie lukrativ die Jobs sind, du hast verdammt viele Ausgaben für Steuern, Versicherungen und das Leben. Denn ab jetzt musst du selbst für alles sorgen: Von Druckerpapier bis hin zur Krankenversicherung. Viele unterschätzen das gewaltig. So schnell wird die gewünschte Unabhängigkeit zur Abhängigkeit. Ich selbst bin zwar kein Freelancer, doch die selbstständigen Projekte halten mich derart auf Trab, dass ich es mir am Wochenende schon wirklich genau überlege, ob ich mir da Freizeit einplane oder eher nicht. Meistens eher nicht. Selbst wenn ich verreise, gehört das Laptop zum Tagesablauf dazu, genauso wie das Smartphone.

 

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Doch wie werde ich wirklich unabhängiger?

Wenn du „unabhängig leben“ googlest, geht es fast nur um Finanzen. Das ist ein riesiges Thema und auch ich habe mir da schon einige Gedanken gemacht. Denn ich bin momentan noch recht unkoordiniert damit – ich brauche dringend ein System und Rücklagen! Dazu werde ich auch bald mein System optimieren und euch dazu Tipps geben. Unabhängigkeit dreht sich nicht nur um Finanzen. Es bedeutet die eigenen Wünsche zu verfolgen, ohne sich den Vorstellungen anderer Menschen zu beugen. Nicht darüber nachdenken, wie andere dich dann sehen oder vielleicht verurteilen.

Wovon bist du abhängig? Diese Frage sollten wir uns als erstes stellen. Denn dann können wir auch gleich entscheiden, was davon vermeidbar ist und was nicht.

Welche Werte hast du selbst? Damit meine ich nicht die Normen der Gesellschaft. Du musst dir selbst klar werden, was für dich wichtig sind. Wo sind deine Grenzen, deine NoGo’s, womit kannst du leben und womit auf keinen Fall?

Sei mutig und setze Grenzen. Das ist am schwersten: Halte deine Grenzen ein. Ich habe selbst ständig erlebt, wie meine Grenzen immer und immer wieder überschritten werden. Dabei fiel es mir trotzdem immer schwer, für mich einzustehen. Dafür brauchst du Selbstvertrauen. Du musst Alleinsein können. Es gehört viel dazu, Grenzen zu setzen und einzuhalten. Doch genauso wirst du wirklich unabhängig. Ohne es zu übertreiben und niemanden mehr an dich heranzulassen, ohne neue Abhängigkeiten einzugehen.

Wie steht ihr zu diesem Thema? Fühlt ihr euch in irgendeiner Art und Weise abhängig, möchtet ihr das ändern oder konntet ihr solche Situationen bereits überwinden?

 

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3 Kommentare

  • Antworten julias Beauty Blog 10. März 2019 um 22:27

    Unabhängigkeit von Personen sehr gerne!
    Jedoch mag ich Sicherheit einfach viel mehr, als dieses Ungewisse. Ich mag es einen festen Job, Wohnsitz und Partner zu haben., für viele sicher langweilig. Für mich ist das einfach ein Zuhause. 🙂

    Liebe Grüße
    Julia

  • Antworten Jana 11. März 2019 um 00:07

    Ich arbeite auch freiberuflich und kenne die Sache mit dem keinen Urlaub haben nur zu gut! Urlaub machen, heißt kein Geld verdienen! Krank sein auch! Es hat alles seine Vor- und Nachteile, aber in gewisser Weise mag ich diese Unabhängigkeit von einem 40 Stunden-Job!

    Liebe Grüße
    Jana

  • Antworten Jenny 12. März 2019 um 21:47

    Ich gehöre auch zu den Menschen, die einen festen Job, Wohnsitz und einen Partner an ihrer Seite brauchen. Für mich war dies nie etwas Negatives. Dennoch bewundere ich Menschen, die den Mut haben und Unabhängigkeit auf ihre Art und Weise umsetzen.

    Liebe Grüße,
    Jenny

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