Freitagspost

Geständnis: Ich war bei einer Reality TV Sendung

15. Februar 2019
Reality TV

Über drei Jahre lang habe ich keinerlei Fernsehen geschaut. Bis jetzt. Denn nach diese Pause habe ich nun angefangen, mir bestimmte Reality TV Formate anzuschauen. Das lag einzig und allein an Leila Lowfire. Ich höre regelmäßig den Podcast „Besser als Sex“ und wollte mir daher reinziehen, wie Leila ins Dschungelcamp einzieht. Durch mein Abo bei TV Now schaute ich mir dann nicht nur Dschungelcamp an, sondern auch den Bachelor und Game of Clones. Schlussendlich schaute ich mir gestern den Live-Stream von Germany’s Next Topmodel an, doch bis zum Schluss habe ich es nicht ausgehalten.

No TV – 1 Monat ohne Fernseher

 

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Was ich euch noch nie erzählt habe…

Im August 2017 bin ich für einen Tag nach Köln gereist und nahm teil an einer TV-Sendung. Es war nur ein Drehtag. Doch in diesen wenigen Stunden verdiente ich nicht nur schlappe 70 Euro, sondern lernte auch unglaublich viel über TV Formate, mich selbst und Teilnehmer von Reality TV Sendungen.

Ankunft in Köln: Ich werde von einem schicken Firmenwagen abgeholt und in das eigens für die TV Sendung angemietete Haus  in Köln-Ehrenfeld gebracht. Dort erwarten mich einige sehr aufgedrehte Produktionsassistenten mit schleimigen Grinsen und eine Flasche Sekt im Garderobenraum. Wir werden von Minute 1 an – es war 11 Uhr morgens – dazu angehalten, Alkohol zu trinken. Eine Teilnehmerin hatte vor Aufregung und Migräne tierische Kopfschmerzen bekommen und wirkte ziemlich weggetreten.

Dann beginnen die Interviews. Ich muss in jedem Satz die Frage mit aufnehmen, die mir meine Produktionsassistentin gestellt hat. Sie ist gleich sehr vertraut mir, als wären wir „best friends“ und sie versucht mich direkt in eine bestimmte Richtung zu drängen. Ich mache das Spiel mit, weil ich wissen will, worauf sie hinaus will. Es fühlt sich haargenau an wie in der Serie „UnReal“ auf Amazon Prime, doch die kannte ich damals noch gar nicht.

 

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Es ist eine Dating-Show

Nach den Interviews treffe ich an der Bar – wo auch sonst – auf meinen Datingpartner. Wir sind beide recht sprachlos. Lehnen Alkohol ab. Danach verziehen wir uns an den Restaurant-Tisch und spielen das aufgesetzte Programm ab. Alex – das ist nicht sein echter Name, doch so wurde er mir vorgestellt – ist wenig interessiert am Gespräch mit mir. Er antwortet höflich auf meine Fragen, weiß nicht was Austern sind und hat auch noch nie vom Sänger Clueso gehört. Schließlich fängt er an zu singen und Gitarre zu spielen. Ich versuche, freudig zu wirken, was mir wohl nicht gelingt. Zuvor hatte meine Assistentin mich dazu angestiftet, auf der Toilette meine Schwester anzurufen und über mein Date zu sprechen.

Danach werden wir in einen Fotoraum geschickt. Dort wird erwartet, dass wir uns küssen. Die Kellnerin wies uns wenig subtil darauf hin, dass dort „alles erlaubt“ ist. Stattdessen sind Alex und ich eher steif, wir ziehen uns Hüte und Sonnenbrillen auf, schießen ein Foto in der Booth und entscheiden uns dann zu gehen. Alex bezahlt die Rechnung. Mit echtem Geld, das war nicht gestellt.

Danach werden wir erneut interviewt. „Warum kein Alkohol“, fragt meine Assistentin mich und ich merke direkt: Das missfällt ihr so richtig. Dann kommt es zum „Doppel-Interview“. Dort wird wieder erwartet, dass wir uns küssen. Mir ist eher nach Kotzen zu Mute und zum Glück hat auch Alex anscheinend kein Interesse. „Wollt ihr euch wiedersehen?“ Ich denke mir, niemals, doch Alex war ja ganz nett und ich will ihn nicht bloßstellen. „Ja“, sage ich gestelzt in die Kamera. „Ja“, erwidert auch er, wenig enthusiastisch.

 

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Wie ging es nach der Show weiter?

Alex, der eigentlich ganz anders heißt, hat die Show sehr ernst genommen. Das war mir zu keinem Zeitpunkt bewusst. Wir teilten uns an dem Tag noch den Flieger und die S-Bahn auf dem Heimweg. Er war die ganze Zeit über sehr höflich und bot mir ständig Pommes, Baguette oder Hilfe beim Koffertragen an. Ich dachte mir nichts dabei.

Doch dann textete er mich wochenlang per Whatsapp zu, versuchte Treffen auszumachen. Irgendwann beschloss ich, so höflich wie möglich, den Kontakt zu beenden. Monate später schreibt er mir, dass die Mafia ihn sucht und er Kronzeuge in einem Skandal ist. Ob auch ich kontaktiert wurde und mir gedroht wurde ihn zu treffen?

Ich weiß bis heute nicht, ob das wirklich ernst gemeint war. Unsere Folge wurde im Fernsehen bisher nie ausgestrahlt und wird es auch hoffentlich nie. Ja, ich bin nicht geeignet für Reality TV. Entweder du gehst da rein und du hast wirklich einen Schaden (sorry, Alex, der nicht Alex heißt!) oder du bist wirklich sehr berechnend und planst ganz genau deine Außenwirkung darin.

Leila flog recht schnell aus dem Dschungelcamp und war wohl die langweiligste Nummer, die das Camp je gesehen hat. Keine Skandale, kein Mobbing, kein Fremdschämen. Da bleibt nun mal nichts mehr übrig, woran sich das Format noch ergötzen könnte. Ich  kann das gut nachvollziehen und ich habe ehrlich gesagt nach meinen persönlichen Erfahrungen noch viel weniger Respekt vor Menschen, die durch Reality TV bekannt geworden sind.

 

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Warum hast du das überhaupt gemacht?

Schon als Teenie fand ich immer MTV und VIVA richtig cool. Ich träumte davon, Moderatorin zu werden, so wie Colleen oder Patrice. Später schaute ich Shopping Queen, auch als Riccardo in der Sendung war und Nina Suess. Ich hatte mich auch ganz früher für Germany’s Next Topmodel beworben und sogar die BILD Saarland berichtete damals über mich deswegen. Fernsehen sah für mich immer nach Spaß aus und nach einer leichten Möglichkeit, als Nobody groß rauszukommen. Ich stellte es mir aufregend vor. Die Kameras, den Trubel. Seitdem ich in Berlin lebe, hatte ich mehrere Anfragen und sogar zwei Zusagen für Fernseh-Shows. Ich hätte Teilnehmerin bei Game of Clones sein können, lehnte es allerdings ab. Die andere Show (ihr habt es sicher schon erraten) sagte ich zu. Bis heute bin ich heilfroh, dass es nie ausgestrahlt wurde. Ich bin weder eine gute Schauspielerin, noch gut darin, vorgetäuschte Emotionen zu zeigen. Erst diese Woche hat bei mir ProSieben angefragt für eine Fashion Show. Ich weiß jetzt schon, da bin ich nicht dabei.

Eigentlich wollte ich in diesem Artikel noch über meine Gedanken zu GNTM und Bachelor schreiben. Doch das sprengt gerade völlig den Artikel, weil ich euch nun doch erst dieses Geständnis machen wollte. Möchtet ihr mehr dazu lesen?

 

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5 Kommentare

  • Antworten Melody Jacobs 15. Februar 2019 um 17:11

    I do not really know what to sat about the dates and him trying to keep contacts..lol
    Hope you had a lovely Valentine?
    Thanks for sharing
    New post:
    https://www.melodyjacob.com/

  • Antworten Beauty and the beam 15. Februar 2019 um 20:50

    Oh, warst du bei dieser VOX Show? Mit den Blind Dates? Ich war auch schon im Fernsehen. Mit der Klasse waren wir mal. Bei Viva Live und da hab ich in der Sendung einen Spagat gemacht nach Aufforderung von Gülcan…
    Und bei Dance Dance Dance habe ich mir auch schon eine Produktion angetan… Einmal und nie wieder…

    Allerliebst
    Mona

  • Antworten Saskia 16. Februar 2019 um 07:23

    Ich hatte mal meine Cousine für eine Show angemeldet und fand die Erfahrung auch – ähm – eher seltsam. Es ging in meine Augen gar nicht um das eigentliche Thema, sondern nur darum, dass Leute gefunden werden, die eine fürs TV passende „Leidensgeschichte“ zu erzählen haben.

  • Antworten Dajana 16. Februar 2019 um 14:04

    Ich gucke keine Reality Shows , die sind mir zu blöd . Aber ich finde es super interessant was du berichtest und mich würde gerne mehr interessieren . Jetzt weiß ich auch , warum die Leute immer einen an der Hacke haben – der Alkohol 🙂
    liebe grüße dajana

  • Antworten Emilie 24. Februar 2019 um 17:38

    Ohje, das klingt ja echt mies… aber da weiß ich ja, warum ich keine Reality Formate schaue! Ich finde das alles so schrecklich und ich muss ich einfach zu sehr fremdschämen 😉
    Liebe Grüße,
    Emilie von LA MODE ET MOI

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