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Freitagspost: Wer ist schuld? Über Tote Mädchen lügen nicht und die Kritik

25. Mai 2018
Tote Mädchen lügen nicht-13 reasons why Staffel 2-Netflix Serie-Mobbing-Suiizid-andysparkles

Hannah Baker hat sich umgebracht. Aber warum – und vor allem, wer ist daran schuld? Ich habe schon mal über 13 Reasons Why – auf Deutsch Tote Mädchen lügen nicht – geschrieben und das Thema beschäftigt mich jetzt zur zweiten Staffel nach wie vor sehr.

Wer ist schuld?

Mobbingopfer Hannah Baker nimmt sich nach unzähligen Vorfällen das Leben. Sie hinterlässt Tapes, auf denen sie ihre Peiniger beim Namen nennt und die Geschichte dahinter erzählt. Es ist kein Wunder, dass so eine Geschichte gerade in den USA viel Zuspruch findet, denn dort passieren gefühlt ständig Massaker an Schulen. Erst zur Premiere der neuen Staffel wieder.

Wer ist schuld an einem Suizid? Die allgemeine Antwort auf diese Frage lautet mit Sicherheit „niemand“ oder nur die Person selbst, die sich umgebracht hat. Ich bin mir da nicht so sicher. Wenn eine Person über Monate, Jahre hinweg gemobbt wird, welche Freude soll sie noch am Leben haben? Wer wird da nicht depressiv? Kommt da nicht doch eine Schuldfrage auf? In meinen Freitagsposts habe ich schon oft das Thema Mobbing oder Depression angesprochen.

Was macht Mobbing so perfide und grausam? Mir geht es auch noch über 10 Jahren, die ich keine Schule mehr besucht habe, so, dass ich Schwierigkeiten habe, Vertrauen aufzubauen. Es gibt Erlebnisse in deinem Leben, die dich für immer prägen. Ich habe schon sehr früh gelernt, dass Menschen grausam sind. Diese Grausamkeit, die ich so erfahren habe, macht es mir richtig schwer, die positiven Eigenschaften ungetrübt wahrzunehmen.

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Tote Mädchen lügen nicht und die Kritik an der 2. Staffel

Zunächst mal, die erste Staffel habe ich sehr gefeiert. Den Sinn der 2. Staffel verstehe ich nicht so ganz und ich vermute es geht rein um das Geld. Das Anschauen ist auf „eigene Gefahr“, denn es gibt Gerüchte, dass Suizide seit der 1. Staffel gestiegen sind in den USA. Solche „Nachahmungseffekte“ durch die Medien gibt es tatsächlich öfter und das macht das Thema auch so heikel. Während der Serie wird ebenfalls gewarnt und auf die Seite 13reasonswhy.info verwiesen, mit einer Krisen-Hotline.

Ich finde nach wie vor, dass es ein unglaublich wichtiges Thema ist. Die Schule ist ein verdammt gefährlicher Ort, egal ob es eine amerikanische High School ist oder eine deutsche Gesamtschule. Wer auf eine glückliche und erfüllte Schulzeit zurückblicken kann, kann sich freuen. Doch es ist keine Selbstverständlichkeit und je nach Wohnort, sozialen Umständen oder Familiengeschichte auch gewiss nicht so einfach. Oder fast schon unmöglich.

Lehrer sollten geschult werden in diesen Themen, sie müssen hinschauen und handeln. Genauso die Eltern und auch die Mitschüler. Die Wunden, die ein Teenager in diesem schwierigen Alter durch Mobbing davon trägt, werden vielleicht nie wieder heilen.

Lesetipp: Ich bin gerade an einem Psychothriller (The Perfect Girlfriend von Karen Hamilton), in dem eine erwachsene Frau ihr ganzes Leben auf Rache an die ehemalige Highschool Queen Bella ausrichtet. Richtig gut geschrieben und spannend!

Werdet ihr euch Tote Mädchen lügen nicht – Staffel 2 – anschauen? Was sagt ihr zu dem schwierigen Thema?

 

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5 Kommentare

  • Antworten Elisabeth-Amalie 27. Mai 2018 um 09:34

    Ich schaue die zweite Staffel bereits und habe nur noch drei Folgen ausstehend. Die erste Staffel habe ich mir damals zwei Mal angeschaut. Sie war sehr berührend und mitreißend. Die zweite Staffel finde ich nicht so tiefgründig wie die erste. Lehrer sollten definitiv mehr geschult werden aber es sollte auch vielmehr Elternseminare geben. Die Pubertät, das Jugendalter ist eine schwierige Zeit. Klar, dass da viele überfordert sind oder viele Hinweise übersehen. Es ist ein wirklich schwieriges Thema, über das ich viel schreiben könnte. Natürlich ist es schrecklich, dass die Anzahl der Suizide zugenommen hat aber dennoch ist es wichtig, über ein solches Thema aufzuklären, es nicht zu tabuisieren.

    Liebst Elisabeth-Amalie von Im Blick zurück entstehen die Dinge

  • Antworten Nancy 27. Mai 2018 um 13:37

    Ich schaue mir die zweite Staffel nicht an, weil ich froh bin, meine Schulzeit hinter mir zu haben und ich möchte solche Mobbingserien nicht mehr anschauen. Ich finde Lehrer und Eltern können da auch nicht viel helfen, wenn das Mobbing zwischen den Schülern im Gang/auf der Treppe der Schule stattfindet, wo keine Lehrer und Eltern da sind.
    Liebe Grüße
    Nancy 🙂
    OrangeCosmetics

  • Antworten Dahi Tamara 19. Juli 2018 um 12:26

    Ich mag persönliche Posts sehr gerne, da man hier mehr über die Person erfährt, die hinter dem Blog steckt.
    Unter Mobbing und auch unter Depressionen musste ich auch lange Zeit leiden. Mit den Depressionen seit dem 15. Lebensjahr, mit Mobbing diverser Art seit dem Grundschulalter und du hast Recht – es prägt. Es prägt sehr.
    Die Schwierigkeit, Vertrauen aufzubauen (und Nähe zuzulassen) hatte ich auch eine lange Zeit. Meine Depression hätte mich auch beinahe in den Suizid getrieben. Ich bin froh, dass dem nicht so ist. Sonst hätte ich nicht das erleben können, was ich seit den letzten Jahren erleben darf.

    Dass man Freude am Leben hat, das liegt viel bei einem selbst. Man darf sich einfach nicht zum Opfer stilisieren lassen. Die Fäden hat man auch in der Hand, wenn es einem am schlimmsten ist. Das zu begreifen kann allerdings sehr schwierig sein und es bedarf auch manches Mal einer aussenstehenden Person, die einem genau das klar macht.

    Aber es gibt immer einen Ausweg und … Suizid ist niemals eine Option. Suizid ist auch kein Ausweg und kann keine Ausrede sein.

    Liebe Grüße
    Dahi Tamara von Strangeness and Charms
    Plisseekleid in Blush & Blumenromantik im Rosengarten

  • Antworten Team Hundeseele 20. Juli 2018 um 09:54

    Ein sehr schweres Thema. Ich denke das es an einem selbst liegt sich nicht als Opfer darzustellen. LG, Claudia

  • Antworten Carmen 22. Juli 2018 um 15:21

    Also ich habe nun auch beide Staffeln gesehen und ich muss sagen, dass ich die Kritik zwar verstehe, aber selbst nicht vertrete. Ich finde jedes realistische Detail gut, gerade um zu schocken und um das Thema zur Öffentlichen Debatte werden zu lassen. Natürlich gibt es dabei auch Gefahren wie Nachahmung etc. aber naja… Es ist ja nicht der erste Medieninhalt, der Suizid, Vergewaltigung und Mobbing behandelt.

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