Berlin

DDR Funkhaustour: Sightseeing von Berlinern für Berliner

5. Februar 2019
DDR Funkhaustour

Ich lebe in Oberschöneweide. Der Bezirk ist den meisten Berlinern nicht unbedingt positiv im Kopf – ein liebevoller Spitzname lautet unter den Berlinern Oberschweineöde. Dennoch ist es hier immer weniger „öde“ als gedacht. In den Rathenau-Hallen ziehen immer mehr Künstler in die Ateliers ein, Studis zieht es hier an die HTW und im ehemaligen DDR Funkhaus finden regelmäßig internationale Musikveranstaltungen statt. Seit dem neuen Investor wird hier auch die DDR Funkhaustour angeboten! Ein Geheimtipp selbst für Berliner.

 

DDR Funkhaustour

 

10 Gründe eine DDR Funkhaustour zu machen

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1. Erlebe die Tour mit Zeitzeugen

Wie auch schon im Stasigefängnis ist die Tour hier durch Zeitzeugen besonders realistisch gemacht. Unser Tourführer Wolfhard Besser (er ist bereits 80 Jahre alt!) war zu DDR Zeiten selbst Redakteur im Funkhaus und konnte noch so einige Anekdoten von früher erzählen!

2. Das Gelände war früher eine richtige kleine Stadt

3000 Mitarbeiter, alle direkt über das Funkhaus angestellt. Hier war früher so richtig was los! Selbst einen Zahnarzt, Friseur und Sauna gab es auf dem Gelände.

DDR Funkhaustour

3. Musiksaal 1 ist weltweit für seine einzigartige Klangqualität bekannt

Jedes Detail wurde nur für den perfekten Klang gebaut: In Saal 1 ist alles darauf ausgerichtet – von der schwebenden Decke bis hin zu den schiefen Wänden. Nur die Orgel funktioniert nicht mehr.

4. Ein weltberühmter Architekt hat das Gebäude erbaut

Franz Ehrlich ist bekannt für seine Möbelserie 602 im Bauhaus-Stil. Er prägte die Architektur der DDR und war auch als Person nicht unumstritten. Kommunist, ehemaliger KZ-Insasse, Kapitalist, Genie und Querdenker sind nur einige Begriffe, mit denen man ihn betitelte.

 

DDR Funkhaustour

 

5. Es ist der größte zusammenhängende Studiokomplex der Welt

Uwe Fabich hat den Komplex 2015 übernommen und lässt nun internationale Gäste nach Schöneweide kommen. Ihm gehört auch der Postbahnhof am Ostbahnhof und der Wasserturm am Ostkreuz. Hier finden auch viele Events statt. Ich besuchte selbst schon mal die Ethical Fashion Show dort in der Nalepastraße. Fabich hat auch das Kraftwerk Rummelsburg gekauft und plant noch ein Hotel dort zu bauen für die Künstler.

6. Die Aufnahmestudios besuchten schon Sting und die Black Eyed Peas

Proberäume, Ateliers und Büros: Hier ist nun alles wieder in Betrieb! Ich bin gespannt was noch so passieren wird in der nächsten Zeit. Hochkarätige Künstler schätzen die Aufnahmestudios und auch Depeche Mode gaben hier schon mal ein Konzert.

DDR Funkhaustour

7. Du kannst DDR Charme schnuppern

Schaut euch nur die Fotos an und ihr wisst was ich meine. Die Tapeten, die Stühle, das ganze Mobiliar – Ostalgie pur!

8. Paul Kalkbrenner hat hier sein Studio

Vielleicht läuft er ja gerade mal zufällig an euch vorbei, wenn ihr eine Tour besucht – der DJ hat auf dem Gelände sein festes Studio!

 

DDR Funkhaustour

 

9. Die Musiksäle sind komplett schallisoliert

Angeblich würdest du darin selbst ein Flugzeug, dass direkt am Gebäude vorbeifliegt, nicht mal hören!

10. In der Führung erfährst du alles über den Rundfunk der DDR

Massenmedium Radio, heute fast ausgestorben. In der Führung erfährst du spannende Details – in welchen verschiedenen Sprachen gesendet wurde, wie viele Sender es gab und was die Aufgaben der Mitarbeiter waren.

 

DDR Funkhaustour

 

Die DDR Funkhaustour findet immer am ersten und letzten Samstag des Monats statt für ungefähr 15 Euro. Sie dauert 90 Minuten. Achtung: Wir mussten einige Monate warten auf den Termin, denn es ist lange im Voraus ausgebucht! Alle Infos bei Backstage Tourism.

 

DDR Funkhaustour

 

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3 Kommentare

  • Antworten Silvia 23. Februar 2019 um 18:35

    Hallo,
    Ein wirklich interessanter Beitrag. Bei unserem letzten Berlin Trip waren wir nicht dort, werden ihn bei unserem nächsten Besuch aber auf jeden Fall mit einplanen!
    Lg Silvia

  • Antworten Steffi Mißner 27. Februar 2019 um 19:36

    Das ist ja wie eine Zeitreise. Cool!

  • Antworten Christian Schubert 15. Dezember 2019 um 20:46

    Das Funkhaus ist nun, seitdem es letztmalig den Eigentümer gewechselt hat, regelrecht geschändet. Was an von der Decke abgehängten Einbauten im Saal 1 zu sehen ist, gehört dort nicht hin. Dafür fehlen in anderen Sälen inzwischen Teile der Einrichtung, die zur Gesamtakustik beigetragen haben. Die missbräuchliche Nutzung von Block B als Ort für Events der Spaßgesellschaft ist unerträglich. Der Gebäudekomplex ist eine Produktionsstätte für Hör-Kultur jeglicher Art und keine Party-Location. Es hatte schon seinen Grund, warum man dort früher als „Betriebsfremder“ so gut wie nicht hineinkam. Einige der Studios und Säle in Block B waren in langjähriger Nutzung durch erfahrene und den Bau und seinen Wert würdigende Betreiber – das ist alles in den vergangenen 4 Jahren vernichtet worden.

    Es ist eine Schande, wie diese wertvollen Studios auf den kapitalistischen Straßenstrich geschickt wurden. Für mich auch klar ein Verstoß gegen den Einigungsvertrag, in dessen § 35 Abs. 2 steht „Die kulturelle Substanz in dem in Artikel 3 genannten Gebiet darf keinen Schaden nehmen.“ Der gesamte Gebäudekomplex (inkl. des völlig vernichteten Block E-T, der schon frühzeitig abgespalten und ausgeschlachtet wurde und die weltweit wohl bestgebauten Rundfunk-Sendekomplexe enthielt) hätte zu einer Art „nationales Kulturerbe“ erklärt werden müssen. Aber es galt halt „Siegerjustiz“. Schade, dass die Verantwortlichen dafür nie zur Verantwortung gezogen werden können. Einer der schlimmsten von 1990/91, der Rundfunk-Abwickler Mühlfenzl, ist ja bereits tot.

    Aber irgendwie ist es auch konsequent: schon lange keinen anständigen Rundfunk mehr im „Beitrittsgebiet“ – und auch das Funkhaus ist geschändet. Passt doch.

    Die Raumakustikerin, die sämtliche Studios und Säle in Block A, B und E geplant und den Bau begleitet hat, lebt übrigens noch. Sie ist nun 93 Jahre alt und wohnt in Oberschöneweide. Das Elend um das Funkhaus tut sie sich auch seit einigen Jahren nicht mehr an. Und das liegt nicht an Gebrechlichkeit. Bis in die Philharmonie schafft sie es ja auch noch.

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