Ich bin seit 2020 komplett selbstständig. Als ich angefangen habe, hatte ich keine Ahnung, ob das überhaupt klappt. In meiner Familie war niemand selbstständig, also musste ich mir Dinge wie Rechnungen, Steuern, Kundengewinnung und Preisgestaltung Stück für Stück selbst beibringen.
Ich hab einfach angefangen und mich breit aufgestellt, mit Fotografie, Social-Media-Betreuung, Blogposts für Firmenkunden und Brand Deals. Heute sieht die Mischung etwas anders aus, aber das Prinzip von damals ist geblieben.
Manche Jahre liefen richtig gut, andere eher zäh. Genau deshalb schreibe ich diesen Artikel nicht als “so wird man reich”-Anleitung, sondern als das, was ich rückblickend gern früher gewusst hätte, bevor ich mich kopfüber ins kalte Wasser gestürzt habe. Hier sind meine 5 Tipps für alle, die überlegen, sich mit einem Kleingewerbe selbstständig zu machen.

1. Finde ein Thema, für das du wirklich brennst
Das klingt nach einem Kalenderspruch, ist aber im Alltag der ehrlichste Ratschlag, den ich geben kann. Es gibt Monate, in denen läuft einfach nichts, Aufträge bleiben aus, Kunden antworten nicht, das Konto sieht dünner aus als geplant. In genau diesen Phasen merkst du, ob du für die Sache brennst oder nur dem schnellen Erfolg hinterherläufst. Wer ein Thema gewählt hat, das nur gerade im Trend liegt, gibt in einer schwierigen Phase schneller auf als jemand, der wirklich dahintersteht.
Außerdem bedeutet es oft viel harte und auch unbezahlte Arbeit, vor allem am Anfang. Ich war jahrelang nebenbei selbstständig mit meinem Kleingewerbe. Das war nicht immer einfach, wenn nach Feierabend der zweite Job angefangen hat.
2. Bleib breit aufgestellt
Was mir im Rückblick am meisten geholfen hat: mich nie auf eine einzige Einnahmequelle zu verlassen. Ich habe mit meinem Blog angefangen, später kamen Brand Deals auf Instagram, Social-Media-Betreuung und Blogposts für Firmenkunden dazu. Heute mache ich viel UGC-Content und ab und zu auch Modeljobs. Fotografie mache ich aktuell seit meiner Schwangerschaft etwas weniger, dafür ist anderes dazugekommen.
Das war nie ein großer Plan, sondern hat sich einfach so entwickelt. Wenn ein Standbein gerade schwächelt, trägt meistens ein anderes. Das heißt auch, sich nicht zu schade zu sein, etwas Neues auszuprobieren. Wer sich am Anfang zu sehr auf eine einzige Sache verlässt, merkt schnell, wie unsicher sich das Einkommen anfühlt, sobald genau dieser eine Bereich mal schwächelt. Gerade auf Social Media sieht man, wie schnell sich Algorithmen, Reichweiten und Plattformen verändern können. Wer sein komplettes Einkommen an eine einzige Plattform hängt, macht sich davon entsprechend abhängig.
3. Sei vorsichtig mit Investitionen
Am Anfang ist die Versuchung groß, gleich in teures Equipment, ein eigenes Büro oder aufwendiges Marketing zu investieren. Gerade wenn es vielleicht gleich am Anfang schon sehr gut läuft. Aber die Realität ist nüchtern: Gerade in den ersten Jahren weiß niemand, wie stabil sich das eigene Geschäft tatsächlich entwickeln wird.
Mein Rat: erstmal mit dem arbeiten, was schon da ist, und Investitionen erst dann tätigen, wenn sich ein Bereich tatsächlich als tragfähig erwiesen hat. Auch bei vermeintlich kleinen Ausgaben lohnt sich die Frage, ob sie jetzt wirklich nötig sind. Ein teures Logo oder eine aufwendige Website bringen am Anfang oft weniger als die Zeit, die man stattdessen in echte Kundenkontakte stecken könnte. Bevor eine größere Anschaffung ansteht, hilft oft die einfache Frage: Kann ich das aktuell auch geliehen, gebraucht oder in einer einfacheren Version lösen? Lieber langsamer wachsen als sich mit Anschaffungen finanziell die Luft abschnüren.

4. Sorg aktiv für Aufmerksamkeit
Ein gutes Angebot allein reicht nicht, wenn niemand davon weiß. Am Anfang habe ich viel Zeit investiert, um überhaupt sichtbar zu werden, online genauso wie bei persönlichen Kontakten. Das heißt nicht zwangsläufig ständiges Posten, sondern eher, konsequent an den Stellen präsent zu sein, wo die eigene Zielgruppe tatsächlich unterwegs ist. Das über Monate durchzuhalten, auch wenn sich der Erfolg nicht sofort einstellt.
Kleine, durchdachte Details können dabei mehr bewirken, als man denkt. Auf Märkten oder bei kleinen Events greifen viele Selbstständige zum Beispiel auf kleine, individuelle Werbemittel zurück, die im Kopf bleiben, statt nur eine Visitenkarte in die Hand zu drücken. Ich bin zum Beispiel auf die individuell bedruckten Streichhölzern bei Tengler Match gestoßen. Die bleiben eher im Kopf als die hundertste klassische Visitenkarte und können gleichzeitig zum eigenen Branding passen. Oft reicht ein Detail, das die Leute tatsächlich behalten und mit einem Namen verbinden.
Genauso wichtig ist Verlässlichkeit. Kunden und Kooperationspartner merken sich, wer Deadlines einhält und auf Nachrichten reagiert, oft mehr als sie sich das schickste Portfolio merken. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Weiterempfehlungen durch zufriedene Kunden haben mir über die Jahre mindestens so viel gebracht wie aktive Akquise.
5. Nimm Steuern und Rücklagen von Anfang an ernst
Ich bin keine Steuerberaterin, deshalb nur so viel aus eigener Erfahrung: Leg dir von der ersten Rechnung an einen Teil des Geldes für Steuern zur Seite. So wird eine Steuerzahlung nicht plötzlich zum finanziellen Problem. Gerade wenn das Einkommen schwankt, ist eine finanzielle Rücklage die Grundlage dafür, dass ein schlechter Monat nicht gleich zur Krise wird.
Wer als Kleingewerbe startet, sollte sich außerdem früh mit Dingen wie der Kleinunternehmerregelung beschäftigen. Kleingewerbe und Kleinunternehmerregelung werden übrigens oft gleichgesetzt, sind aber nicht dasselbe. Die Kleinunternehmerregelung betrifft die Umsatzsteuer, während Kleingewerbe vereinfacht gesagt die Art bzw. den Umfang des Gewerbebetriebs beschreibt.
Diese Regelung kann am Anfang viel bürokratischen Aufwand ersparen, ist aber nicht für jede Situation die richtige Wahl, gerade wenn man selbst viel Umsatzsteuer auf Anschaffungen zahlt. Pauschal lässt sich das nicht beantworten, es hängt von der eigenen Situation ab. Die aktuellen Grenzwerte und alle Details dazu stehen beim Existenzgründungsportal des Bundeswirtschaftsministeriums.
Ein Gespräch mit einem Steuerberater am Anfang hat mir persönlich mehr gebracht als jeder Ratgeber im Internet. Gerade weil individuelle Fragen eben individuelle Antworten brauchen.

Wäre das was für dich?
Ich schreibe das alles, ohne die schwierigen Jahre schönzureden. Es gab Phasen, in denen ich mich gefragt habe, ob ich das Richtige mache, gerade in Jahren, die einfach schlechter liefen als andere. Aber im Rückblick bin ich sehr froh, wie es gelaufen ist. Ich musste mir jede Antwort selbst erarbeiten, oft durch Ausprobieren, manchmal auch durch Fehler, die ich beim nächsten Mal nicht mehr gemacht habe.
Wenn du gerade selbst überlegst, den Schritt zu wagen: Wäre das was für dich? Schreib mir gern in die Kommentare, welcher der fünf Punkte dich am meisten interessiert. Ich lese jeden Kommentar und beantworte auch gern konkrete Fragen zu meinem Weg.





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