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Freitagspost: Habe ich Zwangsstörungen?

20. Oktober 2017
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Die Reihenfolge ist wichtig. Sehr wichtig. Ich nehme es nicht ganz genau, es kann auch innerhalb eines gewissen Rahmen zufällig sein. Wenn ich morgens meinen Rechner anschalte, dann erledige ich immer die gleichen Dinge auf dieselbe Art und Weise. Ich brauche meinen Spiegel, meine Lippen- und Handcreme griffbereit. Bevor ich die Wohnung verlasse, rüttele ich fest an der Tür und muss mir ganz sicher sein, dass Fenster und Kühlschrank geschlossen sind. Wenn ich abgesperrt habe, kontrolliere mich selbst mehrfach. Ich habe Zwänge. Doch ab wann spricht man von Zwangsstörungen?

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Zwangsstörungen – wenn der Alltag zur Qual wird

Es ist schon ein paar Jahre her. Da saß ich völlig verzweifelt auf der Arbeit und war mir komplett sicher, die Wohnungstür steht sperrangelweit offen. Ich habe jemand vorbei geschickt, um es zu kontrollieren. Die Tür war verschlossen.

Doch wann ist ein Zwang kein harmloser Spleen mehr, sondern eine handfeste Zwangsstörung? Ein Artikel bei Edition F hat mich zum Nachdenken gebracht.

Ich denke zumindest, dass ich meine Zwänge ganz gut im Griff habe. Wenn ich es mir ehrlich eingestehe, ist mein Alltag dann allerdings doch ziemlich gezeichnet von Ritualen. Manchmal verändere ich diese Rituale auch, doch sie sind immer vorhanden. Rituale bedeutet, dass ich oft mehrere Wochen oder Monate lang verschiedene Dinge in immer gleicher Reihenfolge tue. Ich kann diese Rituale allerdings meistens problemlos aussetzen oder durch andere Abfolgen ersetzen, ohne dass ich in Panik ausbreche. Darüber bin ich wirklich froh.

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Woher kommen diese Zwänge?

Bei mir ist es einfach zu erklären, denn ich bin damit aufgewachsen. Meine Kindheit war, bis ich ausgezogen bin, geprägt von den Zwängen meiner Mutter. Für mich ist es völlig normal, wenn an einem Tag wirklich alles in einer bestimmten Reihenfolge abläuft, ablaufen muss.

Nur noch 7 Minuten Hände waschen. 10 Minuten in das dunkle Badezimmer starren. 30 Minuten in den Fernseher schauen. Schlafen gehen. Morgen wieder so wie heute, alles von Anfang an abspulen.

Täglich grüßt das Murmeltier. Dieser Film ist für mich echt nicht witzig. Für mich war es auch tatsächlich eine Qual, damals den Film Aviator anzuschauen. Ich hasse Waschstörungen, selbst bei Leonardo di Caprio. Wer eine handfeste Waschstörung hat, der hat ein echtes Problem, denn das zeigt sich in Nebenkostenabrechnungen und in Spuren auf der Haut. Das ist kein Spaß und auch kein Spleen. 

Was kann ich tun, wenn ich eine Zwangsstörung habe?

Knapp zwei Prozent in Deutschland leiden unter Zwangsstörungen. Natürlich ist das nur die Zahl, die erfasst wurde. Also ist es vermutlich sehr viel mehr. Den vielleicht besten Rat habe ich ebenfalls bei Edition F gelesen:

“Meine Therapeutin meinte, dass es vielleicht nicht unbedingt das Ziel sein muss, von der Störung loszukommen, sondern stattdessen zu lernen, besser mit ihr zu leben, um möglichst wenige Einschränkungen zu erfahren.”

Ich versuche mich von Zwängen so wenig wie möglich einsperren zu lassen. Oder sie für mich zu nutzen. Denn manchmal können sogar Zwänge hilfreich sein. Ich bin ziemlich beeindruckt von Hanka Rackwitz, die an einer handfesten, irre ausgeprägten Zwangsstörung leidet und trotzdem so offen damit umgeht. 

Ich finde, solche Themen werden viel zu stark tabuisiert. In Saarbrücken war diese Woche ein stundenlanger Stau, weil ein 70jähriger Mann sich von der Brücke stürzen wollte. Die Praxen von Psychotherapeuten sind völlig überlaufen und die Wartelisten auf einen Termin endlos lang. Die Prozentzahl der Menschen in Deutschland, die von psychischen Leiden betroffen sind, ist unglaublich hoch. Wir sind keine perfekten Menschen, die alle so funktionieren, wie sie es sollten. Warum sollten wir also nicht darüber sprechen können?  

Habt ihr euch schon mal selbst bei Zwängen beobachtet? Kennt ihr diese Thematik?

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Mein Outfit

Mantel: Zara
Kleid: Only
Armreifen*: Ebelin
Schuhe*: JustFab

Location: Gärten der Welt, Berlin

Fotos von Christine

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14 Kommentare

  • Antworten Franzy 20. Oktober 2017 um 08:58

    Sehr schöner Bericht. Ich selbst habe auch den ein oder anderen Zwang, zB zähle ich immer alle Stufen wenn ich eine Treppe hoch oder runter gehen 😀
    Dein Outfit gefällt mir wieder richtig gut.

    Sonnige Grüße
    Franzy

  • Antworten nici 20. Oktober 2017 um 18:20

    Hab ne Freundin, die hat auch sowas ähnliches.. Glaube ich …
    Sie muss jede Tür in der Wohnung schließen, jedes Fenster und wenn sie denkt, sie hat nur etwas offen gelassen, fährt sie wieder heim um zu prüfen. Gerne auch ein zweites Mal. Inzwischen redet sie aber mit anderen darüber und hofft, dass sie es irgendwann im Griff hat. Selber kann ich sowas nicht begreifen und verstehen. Aber das ist meist so, wenn man selber nicht betroffen ist.

    Alles liebe

  • Antworten aufgerouget.de 20. Oktober 2017 um 19:34

    Ich sehe den Unterschied zwischen Spleens und eben so Sicherheitsbedürfnissen, ob alle Fenster geschlossen sind, wenn ich das Hauserlasse z. B., sehr kritisch, da ein Exfreund von mir damals mehrfach in einer Klinik war. Da ich nicht ihn damals anders besuchen konnte, habe ich freiwillig in einer Kunsttherapiegruppe geholfen und dort viele Menschen aus der geschlossenen und offenen Klinik kennengelernt, eben auch viele mit Zwangsstörungen.
    Ich definiere den Unterschied als Laie so:
    – Spleen ist für mich, wenn du nachgucken musst, ob die Herdplatte aus ist, auch mehrmals – und wenn du dennoch ein schlechtes Gefühl hast, aber eben mehr auch nicht
    -Zwangsstörung, wenn es dir Qualen bereitet, nicht zu wissen … ich habe viele Arten kennengelernt. z. B. bestimmte Wiederholungen wie 26y mal Händewaschen nach jedem Kontakt mir anderen Menschen oder einen Menschen in meinem Alter, der immer wieder auf unsichtbare Mauern traf unddann bis 200 zählen musste, bevor er weitergehen konnte.

    Ich glaube, für Außenstehende wirkt das schräg, aber ich persönlich habe diese Menschen als liebenswert kennengelernt. Ihnen sind schlimme Dinge passiert.

    Liebe Grüße
    Bettina von aufgerouget.de

  • Antworten FaBa-Familie aus Bamberg 20. Oktober 2017 um 19:35

    Vielen lieben Dank für deinen tollen Beitrag.
    Ein Leben mit Zwangsstörungen kann ich mir wirklich schwer vorstellen.
    Liebe Grüße Marie

  • Antworten Evi 20. Oktober 2017 um 21:25

    hi,
    ich finde deinen beitrag super und auch das du dieses thema einmal ansprichst.
    außerdem muss ich echt sagen du siehst wunderschön aus und die bilder sind einfach nur top!

  • Antworten Saskia 21. Oktober 2017 um 06:54

    Eine Zwangsstörung habe ich nicht. Eher kleine Rituale, die mich aber nicht einschränken. An der Tür ziehe ich immer feste und mache dies immer. Letztens war was mit dem Ofen nicht okay. Jetzt muss immer die Sicherung raus, damit ich sicher sein kann, dass nicht etwas passiert. Aber das ist jetzt nichts wildes. Ich meine, dass gestern Abend noch ein Beitrag zu dieser Thematik im TV lief, bin dabei aber recht früh eingeschlafen…

  • Antworten Janika 21. Oktober 2017 um 12:11

    Ein toller Beitrag! Ich mag persönliche Posts immer sehr.
    Ich war als Kind ebenfalls davon betroffen, heute habe ich damit zum Glück keine allzu großen Probleme mehr.

    Deine zahlreichen Bilder mit deinem traumhaften Outfit sind wirklich toll!

    Liebe Grüße,

    Janika – nothing personal

  • Antworten Jenny 22. Oktober 2017 um 17:51

    Liebe Andy,
    ein sehr schöner Beitrag. Ich selbst beobachte mich bei vielen Ritualen. Morgens mache ich auch viele Sachen in derselben Reihenfolge und manchmal schaue ich beim Verlassen des Büros noch einmal nach, ob ich wirklich abgeschlossen habe. Ich habe das allerdings gut im Griff und es ist keine Qual, es nicht zu tun.

    Liebe Grüße

    Jenny

    justjenny.blog

  • Antworten Jasmin 22. Oktober 2017 um 20:52

    Wirklich sehr schöner Beitrag mit wundervollen Bilder. Eine Zwangsstörung habe ich nicht, aber ab und zu denke ich auch immer darüber nach hast du die Türe abgeschlossen oder nicht. 😀

    LG Jasmin

  • Antworten Nina 22. Oktober 2017 um 22:09

    Ich kenne diese kleinen Rituale zur „Sicherheit“. Früher hatte ich tatsächlich eine Zwangsstörung, genauer gesagt einen Waschzwang. Ich bin manchmal einfach von der Couch aufgestanden und habe mir die Hände gewaschen.

    Liebe Grüße,

    Nina von http://www.makeupinflight.de

  • Antworten Julie 23. Oktober 2017 um 08:58

    Ich denke in jedem von uns steckt manchmal ein kleiner Nerd, welcher eben auf seine bestimmten Routinen besteht und etwas mürrisch reagiert, wenn diese nicht eingehalten werden können. Das ist denke ich vollkommen normal und auch OK. Sehr schöne Bilder!
    Liebe Grüße,
    Julie
    https://juliesdresscode.de

  • Antworten FiosWelt 23. Oktober 2017 um 20:19

    Das Outfit gefällt mir sehr gut und die Fotos sind wieder sehr schön geworden. Ansonsten finde ich es sehr gut, dass du auch Problemfälle ansprichst.

    Liebe Grüße
    Fio

  • Antworten Karina 25. Oktober 2017 um 15:21

    Ein super interessanter Beitrag von dir. Ich war direkt vom ersten Absatz gefesselt, hast du sehr gut geschrieben.

  • Antworten kiamisu 25. Oktober 2017 um 21:00

    Finde es klasse, dass du dieses Thema ansprichst! In meinem Alltag gibt es auch ein paar „Rituale“ 🙂

    Liebe Grüße,
    Kiamisu

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