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Wie bekommt man einen Kleingarten in Berlin?

8. Juli 2026
Kleingarten in Berlin mit kleinem Gewächshaus zwischen Beeten – Andrea von andysparkles

Ich bin eingeladen in eine Parzelle! Gartenparty in der Kolonie “Treue Seele”. Das klingt erstmal nach Brandenburg, Gartenzwerg, Klappstuhl und viel Dosenbier. Doch tatsächlich ist es ein Kleingarten mitten in Berlin-Neukölln.

Meine Freundin Janan hat seit Kurzem einen Schrebergarten. Also nicht einfach ein paar Balkonkästen, sondern eine richtige Kleingartenparzelle mit Laube, Beeten, Obstbaum und diesem ganz eigenen Gefühl, kurz nicht mehr in Berlin zu sein. Obwohl man natürlich noch mitten in Berlin ist.

Und genau das war das Erste, was ich Janan gefragt habe. Wie bekommt man einen Kleingarten in Berlin? Die kurze Antwort: nicht besonders schnell.

Die längere Antwort: mit Geduld, Papierkram, Flexibilität und einer gewissen Bereitschaft, sich mit Vereinsregeln auseinanderzusetzen. Janan hatte ziemlich Mühe, überhaupt an ihre Parzelle zu kommen. Sie hat sich informiert, telefoniert, Bewerbungen abgegeben und gewartet.

Wenn dich solche Alltagsthemen mit Kind, Berlin und Familie interessieren, schau gerne auch in meinen Familienblog rein. Da schreibe ich gerade viel darüber, wie sich unser Leben mit Dottie verändert hat.

Kleingarten in Berlin mit Tomatenpflanzen im Beet – Andrea von andysparkles

Warum überhaupt ein Kleingarten?

Ich habe Janan gefragt, warum sie sich das antut. Denn ganz ehrlich: Ein Kleingarten klingt erstmal schön, aber auch nach Arbeit. Gießen, Unkraut, Verein, Regeln, Wegezeiten, Laube pflegen. Man bekommt ja nicht einfach eine perfekte kleine Oase mit Erdbeeren und Liegestuhl überreicht.

Ihre Antwort konnte ich trotzdem sofort verstehen. Sie wollte raus aus der Wohnung, ohne Berlin verlassen zu müssen. Sie wollte einen Ort, an dem auch ihre Freunde mit Kindern matschen, rennen und laut sein dürfen. Und sie wollte selbst etwas anbauen. Tomaten, Kräuter, Salat, Erdbeeren.

Was ist ein Kleingarten eigentlich?

Ein Kleingarten ist keine normale Gartenfläche, die man kauft und dann macht man damit, was man will. In Berlin pachtet man eine Parzelle in einer Kleingartenanlage. Der Boden gehört einem nicht. Man übernimmt meistens die Laube, den Pflanzenbestand und die Außenanlagen vom Vorpächter. Dafür wird eine Ablöse gezahlt.

Das ist ein wichtiger Punkt, weil viele erstmal denken: Ich kaufe mir einen Schrebergarten. Stimmt so nicht ganz. Man kauft nicht das Grundstück. Man pachtet die Fläche und übernimmt das, was darauf steht und wächst.

In Berlin sind die Kleingartenanlagen über Bezirksverbände organisiert. Wer einen Kleingarten pachten möchte, bewirbt sich also nicht einfach zentral bei der Stadt. Man wendet sich an den Bezirksverband, der für die gewünschte Lage zuständig ist. Eine Übersicht und Infos gibt es beim Landesverband Berlin der Gartenfreunde und auch bei Berlin.de.

Kleingarten in Berlin mit Lauben, Beeten und Gartenwegen – Andrea von andysparkles

Kleingärten in Berlin: mehr als Gartenzwerg und Laube

Ich glaube, Kleingärten haben in Berlin oft so ein leicht verstaubtes Image. Man denkt an Rentner, Vereinsheime und sehr ernste Gespräche über Heckenhöhen. Ganz falsch ist das vermutlich nicht immer. Aber es ist eben auch nur ein Teil davon.

Kleingärten haben in Berlin eine lange Geschichte. Ihre Wurzeln liegen im 19. Jahrhundert, als Städte immer voller wurden und viele Arbeiterfamilien kaum Zugang zu Grünflächen hatten. Gärten waren damals nicht nur Freizeit. Sie waren auch praktisch. Dort wurde Obst und Gemüse angebaut, gerade in Krisenzeiten war das wichtig.

Heute ist die Situation natürlich eine andere. Niemand braucht einen Schrebergarten, um über den Winter zu kommen. Aber das Bedürfnis dahinter ist wieder sehr aktuell: raus aus engen Wohnungen, rein ins Grüne. Mehr Natur. Mehr Ruhe. Mehr Abstand vom Lärm.

Wie bewirbt man sich für einen Kleingarten in Berlin?

Zuerst schaut man, welche Kleingartenanlagen in der eigenen Wunschlage überhaupt infrage kommen. Dann meldet man sich beim zuständigen Bezirksverband oder direkt bei einzelnen Kolonien, je nachdem, wie es dort geregelt ist. Viele Verbände haben Bewerbungsformulare. Manche wollen, dass man persönlich vorbeikommt. Manche führen Wartelisten. Manche nehmen zeitweise gar keine neuen Bewerbungen an.

Janan hat mir erzählt, dass Flexibilität viel ausmacht. Wer nur eine bestimmte Anlage will, am besten noch eine bestimmte Ecke und eine Parzelle im perfekten Zustand, wartet vermutlich ewig. Wer offener ist, hat bessere Chancen. Auch sogenannte Handwerkerobjekte können eine Möglichkeit sein. Also Parzellen, bei denen die Laube alt ist, der Garten verwildert oder einiges gemacht werden muss.

Was kostet ein Kleingarten in Berlin?

Die Pacht selbst ist oft vergleichsweise niedrig. Teuer wird eher die Übernahme. Wenn man eine Parzelle übernimmt, wird der Wert von Laube, Pflanzen, Wegen und anderen Anlagen geschätzt. Laut Berlin.de liegen die Anschaffungskosten häufig zwischen 2.000 und 5.000 Euro. Der durchschnittliche Preis wird mit etwa 4.000 Euro angegeben.

Dazu kommen laufende Kosten. Pacht, Vereinsbeiträge, Wasser, Strom, Abwasser, Umlagen. Berlin.de nennt durchschnittlich etwa 700 Euro pro Jahr.

Kleingarten in Berlin mit alter Holzlaube und Gemüsebeeten – Andrea von andysparkles

Die Drittelregelung: Warum ein Kleingarten kein reiner Ort zum Entspannen ist

Was mich am meisten überrascht hat: Man darf einen Kleingarten nicht einfach komplett als Rasenfläche mit Liegestühlen nutzen. In Berlin bedeutet das: Mindestens ein Drittel der Gartenfläche soll kleingärtnerisch bearbeitet werden. Also Obst, Gemüse, Kräuter, Beerensträucher, Beetflächen, solche Dinge. Das ist die berühmte Drittelregelung.

Grob gesagt: ein Drittel Anbau, ein Drittel Ziergarten und ein Drittel Erholung mit Laube, Wegen, Terrasse oder Sitzplatz. Ganz exakt kann das je nach Verein und Gartenordnung etwas unterschiedlich wirken, aber der Grundgedanke bleibt: Ein Kleingarten ist kein Wochenendhaus mit Rasen drumherum.

Gewächshaus, Laube und kleines Gartenhaus: Was darf man überhaupt?

Seit ich Janans Garten gesehen habe, verstehe ich den Reiz von einem Gewächshaus total. Tomaten vorziehen, Gurken schützen, früher anfangen, länger ernten. Gerade in Berlin, wo das Wetter manchmal macht, was es will, kann ein Gewächshaus wirklich sinnvoll sein.

Wer sich damit beschäftigt, landet schnell bei Aluminium-Gewächshäusern. Sie sind relativ pflegeleicht, stabil und wirken nicht so empfindlich wie manche Holz- oder Folienlösungen. Trotzdem gilt auch hier: Erst in die Gartenordnung schauen. Nicht jeder Verein erlaubt alles in jeder Größe.

Bei der Laube ist die Regel noch wichtiger. Im Bundeskleingartengesetz steht, dass eine Laube in einfacher Ausführung höchstens 24 Quadratmeter Grundfläche haben darf, inklusive überdachtem Freisitz. Dauerhaftes Wohnen ist nicht erlaubt.

Falls eine alte Laube ersetzt werden soll oder noch keine passende Lösung vorhanden ist, kann die Frage spannend sein, ob man ein kleines Gartenhaus aufstellen darf. Aber das ist nichts, was man einfach nach Gefühl entscheidet. Der Verein, die Gartenordnung und die gesetzlichen Vorgaben haben hier das letzte Wort.

Für wen lohnt sich ein Kleingarten?

Wenn man nur alle paar Wochen mal hinfahren will, ist es wahrscheinlich zu viel. Wenn man keine Lust auf Regeln hat, auch. Und wenn man Pflanzen zwar schön findet, aber eigentlich keine Arbeit damit haben möchte, wird es schnell frustrierend.

Ein Kleingarten passt eher, wenn man wirklich Lust auf draußen hat. Wenn man auch mal nach Feierabend gießen fährt. Wenn man akzeptieren kann, dass der Garten nicht immer perfekt aussieht. Und wenn man nicht komplett genervt ist, sobald ein Verein mitreden möchte.

Für Familien kann es aber richtig schön sein. Besonders in Berlin. Man hat keinen eigenen Hausgarten, aber trotzdem einen Ort, der sich ein bisschen so anfühlt.

Seit ich Mutter bin, merke ich, wie wertvoll solche Orte sind. Ich habe darüber auch schon in meinem Beitrag über meine erste Schwangerschaft geschrieben: Man plant so viel im Kopf, aber am Ende verändern die Kinder vor allem den Alltag.

Unser persönliches Fazit

Wir überlegen tatsächlich, ob ein Kleingarten für uns irgendwann Sinn machen könnte. Dottie ist aktuell noch klein, unser Alltag ist voll, und wir wissen auch noch nicht endgültig, wie langfristig wir in Berlin bleiben. Aber wenn sie größer wird, kann ich mir das immer besser vorstellen.

Ein Ort, an dem sie draußen sein kann. Wo sie Erde anfassen darf, ohne dass ich sofort Feuchttücher suche. Wo wir vielleicht ein paar Tomaten ziehen, Kräuter pflanzen und im Sommer abends noch zusammen draußen sitzen.

Ich sehe aber auch die andere Seite. Ein Kleingarten ist kein Deko-Projekt. Es ist Verantwortung. Man muss sich kümmern. Man muss Regeln einhalten. Man muss Zeit investieren. Und man muss wahrscheinlich schon heute anfangen, wenn man in ein paar Jahren wirklich eine Chance haben will.

Vielleicht ist das der eigentliche Punkt: In Berlin bekommt man einen Kleingarten nicht dann, wenn man ihn gerade spontan will. Man muss den Gedanken früher ernst nehmen.

Habt ihr einen Kleingarten in Berlin oder steht ihr auf einer Warteliste? Wie lange hat es bei euch gedauert?

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