Meine Freundin Iona hat jetzt ihre eigenen Tomaten geerntet! Allerdings nicht im Topf auf der Fensterbank, sondern in einem Gemeinschaftsgarten in Neukölln. Diesen teilt sie sich mit einer ganzen Gruppe Nachbarn. Letzte Woche hat sie mir Fotos geschickt: Tomaten, Mangold, sogar ein paar Erdbeeren. Alles aus einem Hochbeet, das nicht ihr allein gehört, sondern allen, die mit anpacken. Seit sie damit angefangen hat, ist bei mir wieder dieses Gefühl da: Ich hätte auch so gerne einen Garten in der Stadt. Oder wenigstens irgendetwas, das sich so anfühlt. (Mehr aus meinem Berlin-Alltag gibt’s übrigens in meinem Berlin-Blog.)

Garten in der Stadt: Was Urban Gardening in Berlin eigentlich bedeutet
Iona ist mit ihrem Gemeinschaftsgarten nicht allein. Berlin ist voll von solchen Orten, und ich finde es ehrlich gesagt ziemlich schön, dass hier nicht nur auf Balkonen und Fensterbänken gegärtnert wird, sondern auch auf Brachflächen, ehemaligen Friedhofsflächen, Parkdecks und dem Tempelhofer Feld. Urban Gardening bedeutet in Berlin: Man teilt sich Fläche, Arbeit, Erde, Ernte und manchmal wahrscheinlich auch ein bisschen Chaos.
Bekannte Beispiele sind die Prinzessinnengärten, die ursprünglich am Moritzplatz entstanden sind und inzwischen auf dem Neuen St. Jacobi Friedhof in Neukölln weitergeführt werden, das Allmende-Kontor auf dem Tempelhofer Feld oder das himmelbeet im Wedding. Das Prinzip finde ich schön, weil es so typisch Berlin ist: ein bisschen improvisiert, sozial, ökologisch und nie ganz perfekt.
Der Unterschied zum klassischen Schrebergarten – und die langen Wartelisten in Berlin
Ganz anders läuft es beim klassischen Schrebergarten oder Kleingarten: Hier pachtet man eine feste, eigene Parzelle in einem Kleingartenverein, meist mit eigener Laube. Die gehört dann wirklich nur einem selbst oder der eigenen Familie.
Genau das macht ihn so begehrt, und genau deshalb sind die Wartelisten lang.
In Berlin kann es je nach Verein und Bezirk mehrere Jahre dauern, bis man eine Kleingarten-Parzelle bekommt. Teilweise ist von fünf bis zehn Jahren Wartezeit die Rede. Kein Wunder, dass längst nicht mehr nur Rentner auf der Liste stehen, sondern genauso junge Familien und Leute aus meiner Generation, die irgendwann merken, wie sehr ihnen ein eigenes Stück Erde fehlt. Ionas Weg über den Gemeinschaftsgarten ist da der pragmatischere: kein jahrelanges Warten, dafür teilt man sich Fläche und Arbeit mit anderen. Für mich persönlich wäre trotzdem irgendwann die eigene Parzelle der Traum, und sei es nur, weil ich gerne auch mal allein in meinem Beet sitzen würde, ohne Programm und ohne jemanden fragen zu müssen.

Meine Kindheit im Garten: Marienkäfer, nasses Gras und endlose Zeit
Ich verstehe diesen Run total. Als Kind habe ich den Garten meiner Eltern geliebt. Ich kenne noch das Kitzeln von Marienkäfern auf der Hand, das nasse Gras unter den Füßen am frühen Morgen und diesen leicht modrigen Geruch von Erde nach dem Gießen. Stundenlang bin ich Ameisenstraßen gefolgt oder habe Regenwürmer ausgegraben oder Grashüpfer beobachtet. Diese Ruhe und Geduld vermisse ich heute sehr.
Was ich meiner Tochter wünsche – und warum wir so oft in den Wald fahren
Genau das wünsche ich mir für unsere Tochter auch. Und genau das ist in einer Berliner Stadtwohnung schwer hinzukriegen, so sehr ich unsere zwei Balkone auch liebe. Deshalb fahren wir sehr oft raus in den Wald. Wir wohnen ganz in der Nähe eines kleinen Waldstücks, das ich sehr liebe. Bis zur Wuhlheide ist es auch nur ein Katzensprung.
Vor ein paar Jahren habe ich mal die schönsten grünen Ecken in und um Berlin für den Blog zusammengetragen, und genau die steuern wir jetzt mit Kind an. Es ist nicht dasselbe wie ein eigener Garten vor der Tür, zu dem man einfach mal für zehn Minuten raus kann. Aber es ist unser Kompromiss, und meiner Tochter scheint es zu reichen, wenn ich sie nach drei Stunden Wald wieder ins Auto trage, komplett dreckig und mit einem Stock, den sie partout mit nach Hause nehmen will.

Der Traum vom eigenen Haus mit Garten
Der größere Traum ist trotzdem da, und wir reden auch ehrlich darüber: irgendwann ein Haus, vielleicht etwas außerhalb von Berlin, mit einem Garten, in dem unsere Tochter genauso herumtoben kann wie ich früher. Wenn ich mir das ausmale, gehört für mich auch eine kleine Gartenhütte dazu. Nicht als Plastikschuppen, in dem nur alte Blumentöpfe und kaputte Gartengeräte landen, sondern als fester Ort im Garten. Für Kissen, Fahrräder, Erde, Kindersachen, vielleicht aber auch für einen kleinen Tisch, an dem ich im Sommer schreiben kann, während draußen alles grün ist.
Vielleicht klingt das sehr erwachsen, aber genau solche Nebenräume verstehe ich heute viel mehr als früher. Man braucht nicht immer mehr Wohnfläche. Manchmal reicht schon ein Ort, an dem Dinge ihren Platz haben und der Alltag ein bisschen weniger voll wirkt.
Wie ich mir gerade trotzdem mehr Grün in den Alltag hole
Bis der Traum vom eigenen Garten irgendwann vielleicht realistischer wird, versuche ich mir das Grün eben anders in den Alltag zu holen. Manchmal sind es nur ein paar Pflanzen zuhause, manchmal ein Spaziergang durch unser kleines Waldstück oder ein Nachmittag in der Wuhlheide. Gerade mit Kind und Hund merke ich noch mehr, wie gut diese Orte tun. Draußen muss gar nicht viel passieren. Ein Stock, ein paar Blätter, Matsch an den Schuhen, und schon ist der Tag irgendwie besser.
Ich besuche auch gerne Freundinnen, die schon näher an diesem Gartengefühl dran sind, so wie Iona mit ihrem Gemeinschaftsgarten. Das ist nicht mein eigener Garten, klar. Aber es erinnert mich daran, dass man Natur in der Stadt nicht immer besitzen muss, um sie zu erleben. Vielleicht ist das gerade unser Weg: ein bisschen Wald, ein bisschen Balkon, ein paar grüne Ecken in Berlin und der Gedanke daran, dass irgendwann vielleicht doch noch eine eigene Parzelle oder ein Haus mit Garten dazukommt.

Bis es so weit ist, bleibt unser Garten in der Stadt eben das, was wir uns daraus machen: die Balkone, der Wald am Wochenende, die Wuhlheide und all die grünen Ecken, die Berlin zum Glück trotzdem hat. Und ehrlich gesagt geht es uns damit gerade auch gut.
Wie sieht das bei euch aus: Habt ihr einen Garten, eine Parzelle oder lebt ihr auch eher mit dieser kleinen Sehnsucht nach mehr Grün? Schreibt es mir gerne in die Kommentare. Ich bin gespannt, wie viele von euch Stadtmenschen sind und trotzdem manchmal von Erde unter den Fingern träumen.





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