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Zu viel Kritik am Körper? Warum wir uns manche Kommentare sparen können

17. Dezember 2021
Bodyshaming in der Familie

Ich habe letztens einen Podcast gehört und die Sprecherin sagte darin, dass sie versucht, Körper gar nicht erst zu beurteilen. Wenn eine Freundin fragt, wie ihr die Hose steht, dann sagt sie: Fühlst du dich darin wohl? Engt sie dich ein oder sitzt sie gut? Wenn alles passt, dann kauf sie dir doch. Das war übrigens Leila Lowfire im Podcast Weibers. Mich hat das ziemlich inspiriert und mir auch gleichzeitig imponiert. In meinem Freundeskreis höre ich immer wieder Bemerkungen rund um den Körper und vor allem die Kritik am Körper. Hier sehe ich schlanker aus, da sehe ich fett aus. Ich habe zugenommen, ich muss jetzt drei Kilo abnehmen. Es geht immer um Gewicht und warum wir jetzt gerade nicht perfekt sein können, sondern diese Perfektion erst erreichen müssen.

Zu viel Kritik am Körper

30something Kolumne auf andysparkles

Bodyshaming war schon Teil meiner Kindheit und Jugend – Familie, Schule, Boyfriend

Verdammt traurig, doch ich weiß von keiner Zeit meines Lebens, in der ich nicht Bodyshaming erlebt habe. Das fing bei meiner Mutter an, die sich gerne mal darüber echauffierte, dass meine Schwester mit ihrer damaligen Kleidergröße 40 schon „gut beisammen“ ist. Was auch immer das ausdrücken sollte. Erst ganz viele Jahre später wurde mir wirklich bewusst, dass meine Mutter eine Essstörung hat. Bis heute isst sie gerade mal so viel, dass sie davon überleben kann. Weiter ging es mit meiner Schwester, die mir gerne mal Croissants und Laugenbrezel verboten hat, weil die nun wirklich zu fett machen. Es gab einige Jahre, da habe ich mir, wenn ich alleine unterwegs war, Croissants unterwegs in der Bäckerei gekauft und sie gegessen, weil ich sie gerne esse und weil es einfach mein Körper ist.

Weiter ging es in der Schule. Da war mein Spitznamen „Knochen“, weil ich viele Jahre untergewichtig war. Ich bin schnell gewachsen und ich habe auch zu Hause nie viel essen dürfen.

Mit 21 kam der erste Boyfriend. Da war ich immer noch untergewichtig, doch mein breites Becken eckte auch bei ihm an. Ebenso in der ersten Modelagentur, in der ich mich vorstellte. Mir wurde geraten, doch lieber abends auf die Pasta zu verzichten.

Bodyshaming in der Familie

…dann kam das Internet

Mit meiner Präsenz auf Instagram kam dann auch das Online Body Shaming dazu. Wahlweise kam mal Kritik an meinem Blick, Ausdruck, den Knien oder auch allgemein dem aktuellen Gewicht. Irgendwie gehört es immer dazu, dass wir unseren Körper als eine Baustelle sehen. Die nie, nie fertig wird.

Zu viel Kritik am Körper? Diese Kommentare könnten wir uns sparen

Ich ärgere mich oft über mich selbst, wie wenig frei ich von diesem Thema bin. In den letzten Jahren, vor allem seit dem Lockdown, habe ich auch mal wieder zugenommen. Warum kommt es mir so vor, als müsste ich mich dafür rechtfertigen oder entschuldigen? Bin ich als Mensch mit 54 Kilogramm Körpergewicht besser und wertvoller als mit 74 Kilogramm? Wer entscheidet das überhaupt? Die breite Masse aus dem Netz, die beste Freundin, die Familie? Wer gibt denen denn eigentlich das Recht zu entscheiden, ob ich so „adäquat“ bin?

Es ist nie okay. Es wird immer Menschen geben, die sagen du bist zu dick oder zu dünn, die was auszusetzen haben oder unnötige Kommentare ablassen. Doch es gibt auch immer Menschen, die sind eigentlich deine Freunde. Die lassen auch Kommentare ab, dass du in dieser Hose schlanker oder fetter aussiehst. Sie meinen es nicht mal böse, sondern gut.

Dabei sollten wir alle, auch ich selbst, viel mehr an unserem Verständnis von Kommunikation über Körper arbeiten, als an unserem Gewicht. Doch das ist natürlich super schwer, denn ich bin bestimmt nicht die einzige, die von ganz klein auf Bodyshaming erfahren hat und so aufgewachsen ist. Übrigens mache ich mir gleich Pasta (am Abend). Heute habe ich auch schon ein Stück Kuchen gegessen.

Bodyshaming in der Familie
Zu viel Kritik am Körper
Zu viel Kritik am Körper
Zu viel Kritik am Körper?

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