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Trauma Trigger – wie kann ich besser damit umgehen?

13. Mai 2022
Trauma Trigger - wie kann ich besser damit umgehen

Hast du schon mal erlebt, dass du in einer bestimmten Situation ganz plötzlich nicht mehr du selbst warst? Vor einigen Jahren hat mich ein Telefonat mit einem früheren Steuerberater zum stundenlangen Weinen gebracht – das ist ein richtiges Paradebeispiel für einen Trauma Trigger. Er hat dabei durch sein Verhalten und seine Ausdrucksweise bei mir Erinnerungen getriggert. Erinnerungen daran, Menschen ausgeliefert zu sein und dabei machtlos zu sein. Überlebende von Kindheitstraumata werden sich immer wieder in Momenten befinden, in denen sie sich wieder voller Hilflosigkeit, Scham und Schuld fühlen. Damals habe ich es noch nicht richtig erkannt, woher so etwas kommt. Stattdessen habe ich mich immer und immer wieder gefragt, wieso ich ständig so emotional reagiere auf alle möglichen Dinge und warum ich nicht anders sein kann. Dadurch, dass ich mich ständig versuche weiterzubilden, Therapien mache und mich ständig reflektiere, erkenne ich langsam die Gründe für solche Reaktionen.

Trauma Trigger - wie kann ich besser damit umgehen

30something Kolumne auf andysparkles

Wie gehe ich konkret mit einem Trauma Trigger um?

Was ist ein Trigger eigentlich? Eine perfekte Definition habe ich in diesem Artikel bei rnd.de gefunden, formuliert vom Paartherapeuten Christian Hemschemeier:

Allesamt erwachsene Menschen, die durch einen Auslöser binnen weniger Augenblicke in eine emotional instabile Situation geraten, die vielmehr einem Kleinkind als einem Erwachsenen gleicht. Ein solcher Auslöser, der in der Fachsprache Trigger genannt wird, löst bei den betroffenen Personen Erinnerungen an traumatische Erlebnisse aus. Dabei kann es sich um einmalige, negative Erfahrungen wie einen Überfall handeln – oder aber Ereignisse aus der Kindheit wie beispielsweise ein prügelnder Vater oder eine emotional nicht verfügbare Mutter.

Bei einer meiner letzten Reisen (ich habe darüber hier geschrieben: Urlaub mit Freunden) war es wieder so weit. Die andere Person hatte in mir große Ängste geweckt, doch diesmal konnte ich es verhindern, der Situation ausgeliefert zu sein. Ich habe mich aus der Situation entfernt. Die letzte Zeit der Reise alleine verbracht, nicht mehr weiter diskutiert und mich ganz auf mich konzentriert.

Trauma Trigger - wie kann ich besser damit umgehen

Erkenne die Situation

Die Erkenntnis ist immer der erste Schritt. Werde dir darüber bewusst, ob dein Verhalten gerade eine Reaktion auf den Trigger ist. Ich mache gerade eine Therapie, die sich Somatic Experiencing nennt. Leider wird sie nicht von der Krankenkasse übernommen, deswegen mache ich es ab und zu parallel zu einer klassischen Therapie. Sobald ich darüber mehr weiß, kann ich hier auch dazu noch etwas schreiben. Konkret geht es viel darum, sich selbst mehr zu spüren und auch Grenzen zu setzen. Wenn ich rechtzeitig erkenne, dass ich mich anspanne oder unter Stress stehe, kann ich auch eher wieder herauskommen. Diese Therapieform ist speziell für Überlebende von schwerem Trauma wie auch in meinem Fall geeignet.

Entferne den Trigger aus deinem Leben

Das geht in vielen Situationen, wenn auch nicht in allen. Du kannst bestimmte Filme nicht anschauen, Situationen vermeiden, Freundschaften beenden, Kontakt zur Familie einschränken oder Personen auf Social Media entfolgen. Das hat mir sehr geholfen. Seit ich den Kontakt zu meiner Familie vor drei Jahren beendet habe, bin ich nach und nach ein ganz anderer Mensch geworden. Ich bin viel ruhiger, glücklicher und gelassener. Langsam kann ich mich von dem jahrelangen Missbrauch erholen und alles aufarbeiten.

Werde aktiv

Aktiv werden kann vieles bedeuten. Es bedeutet auch, gewisse Entscheidungen zu treffen. Da ich nicht mehr in meinem Leben von Trauma Trigger kontrolliert werden möchte, habe ich mich für eine Therapie entschieden und ich hoffe, dass es dabei helfen wird. Du kannst auch Menschen in deinem Umfeld erklären, was es für dich bedeutet, wenn bestimmte Trigger getroffen werden. Natürlich kannst du nicht den Menschen um dich herum befehlen, wie sie sich zu verhalten haben. Es geht mehr um die Aufklärung darüber, was das mit dir macht – sofern du überhaupt darüber reden willst. Bei vielen Leuten ist es auch eher kontraproduktiv, es anzusprechen, weil ihnen das Verständnis oder die Empathie fehlt.

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1 Kommentar

  • Antworten Chris Stylepeacock 15. Mai 2022 um 10:02

    Solche Situationen kenne ich auch. Zum Glück lernen wir uns selbst auf der Reise durchs Leben besser kennen. Viele Leute verstehen nicht, dass ihr Verhalten bei uns bestimmte Reaktionen auslöst, oftmals wissen sie ja einfach auch nicht, was das für uns bedeutet. Es ist richtig, die Menschen um uns herum können wir nicht ändern, nur unsere Reaktionen darauf. Es ist gut, dass du dich aktiv damit auseinandersetzt und so einiges überwindest.

    Allerliebste Grüße
    Chris

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