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Freitagspost: Warum wir dringend mehr über Depressionen sprechen müssen

2. März 2018
Warum wir dringend mehr über Depressionen sprechen müssen-Freitagspost andysparkles

Schätzungsweise 4,1 Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer Depression. (Quelle) Bäm. Das ist eine Zahl, die sitzt erst mal. Es ist fast so, als wäre ganz Berlin depressiv. Das, was wirklich deprimierend ist an dieser Sache: Kaum einer versteht diese Krankheit. Die meisten denken, die Betroffenen müssen sich „nur mal zusammenreißen“. Torwart Robert Enke hatte solche Angst vor dem Ende seiner Karriere und dem Stigma als Depressiver, dass er keine Therapie gegen seine Depressionen wählte und sich am Ende das Leben nahm.

Warum wir dringend mehr über Depressionen sprechen müssen-Freitagspost andysparkles

Eine Depression kann dich umbringen

Es ist hart und genau deswegen formuliere ich es auch so. In meinem erweiterten Umfeld sind bereits zwei junge Männer daran gestorben, weil sie sich umgebracht haben. Jedes Jahr sterben 10.000 Menschen durch Suizid in Deutschland und die häufigste Ursache sind Depressionen. (Quelle) Ein Selbstmord bedeutet nicht nur den Tod einer einzelnen Person, das ganze Umfeld leidet daran – ein Leben lang.

Gerade Männer trauen sich noch viel weniger als Frauen, Hilfe zu suchen. Es ist eine Erziehungssache: Ein Indianer kennt keinen Schmerz. Frauen dürfen weinen, sich ihre Gefühle eingestehen – und daher suchen sie sich auch eher mal Hilfe.

Reiß dich doch mal zusammen?!

Wenn man zu einem depressiven Menschen sagt, jetzt reiß dich doch mal zusammen, ist es so, wie zu einem Rollstuhlfahrer zu sagen: Jetzt trau dich doch mal aufzustehen. Es ist eine Krankheit. Genau das verstehen viele eben nicht. Es ist nicht das gleiche, wie einfach nur traurig zu sein und es bedeutet auch nicht, dass du alles nur negativ siehst. Viele Depressionen sind „angeboren“, genetisch verursacht, sie können sogar vererbbar sein und es braucht nicht mal einen bestimmten Auslöser dafür.

Was mir am meisten hilft in schwierigen Phasen: Ich bin nicht so hart zu mir selbst oder versuche es nicht zu sein. Ich versuche es zu akzeptieren, anzunehmen und nicht dagegen anzukämpfen.

Depressionen im Umfeld – was können wir tun?

Wenn in deinem Umfeld jemand an einer Depression leidet oder du den Verdacht dazu hast, dann verteile keine weisen Ratschläge, durch die sich die Person noch unverstandener fühlt. Biete Hilfe an. Sei präsent, sei stark. Geh notfalls mit ihm oder ihr zu einem Arzt und sucht professionelle Hilfe. Mach die Beschwerden nicht klein oder verharmlose es nach dem Motto, morgen sieht die Welt schon anders aus. Bei der Telefonseelsorge findest du erste Anlaufstellen.

Nach meinem Bericht „Bin ich depressiv“ habe ich damals sehr viele E-Mails, Kommentare und persönliche Geschichten von euch zugeschickt bekommen. Das hat mir klar gemacht, wie viel Redebedarf hier zu diesem Thema herrscht. Manche haben auch mit Unverständnis reagiert, gerade wegen dem Nahrungsergänzungsmittel. Ich bin nach wie vor nicht gegen solche Nahrungsergänzungsmittel und in sehr schweren Fällen sind sogar Antidepressiva manchmal unvermeidlich. Jede Behandlung sollte aber immer mit dem Arzt abgesprochen sein und jeder für sich selbst entscheiden.

 

 

 

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7 Kommentare

  • Antworten Mrs Unicorn 2. März 2018 um 15:38

    So ein toller Beitrag. Vielen Dank für deine ehrlichen Worte!

    Liebe Grüße und noch eine schöne Woche.
    Celine von http://mrsunicorn.de

  • Antworten Saskia 2. März 2018 um 18:25

    Depressionen sind wirklich schlimm. Ich hätte nie gedacht, dass unter dieser Krankheit auch einige Bekannte leiden. Manchen merkt man es so gut wie gar nicht an (zumindest, wenn man sich nicht ganz so super oft sieht). Echt mies!

  • Antworten FiosWelt 3. März 2018 um 18:11

    Depressionen sind wirklich ein ernst zu nehmendes Thema. Ich finde es gut, das du darüber schreibst, viele wissen meist viel zu wenig über das Thema.

    Liebe Grüße
    Fio

  • Antworten makeupinflight 4. März 2018 um 20:42

    Depressionen sind wirklich ein wichtiges Thema. Eine sehr nahe Person aus meiner Familie ist manisch-depressiv und ich weiß wie schlimm das sein kann. Danke für den Beitrag.

    Liebe Grüße, Nina.
    http://www.makeupinflight.de

  • Antworten Heloise 16. März 2018 um 20:13

    Toller wichtiger Post! Ich habe in meinem Umfeld auch jemanden, der an starken Depressionen leidet, und ich finde es unglaublich schwierig, damit umzugehen, besonders z.B. mit starken Stimmungsschwankungen =\

  • Antworten Julia 17. März 2018 um 17:34

    Ein sehr schöner Blogpost der die Menschen vielleicht aufklärt. Ich bin auch Depressiv aber gutin Behandlung und kenne dies Spüche. Leider auch von der eigenen Mutter. Der Tipp mit der Telefonseelsorge ist sehr gut, mir haben sie vor Jahren gut geholfen und Hilfe gegeben wo ich hingehen kann.

    Wichtig ist wie du schon schreibst, Hife anbieten und dasein. Das ist sehr wichtig. Aber auch der Hilfegebende muss wissen, das er
    nicht alleine ist wenn er mit der Last nicht zurecht kommt. Auch da gibt es Hilfe
    .
    Danke für deinen Artikel.
    Liebe Grüße
    Julia

  • Antworten Wie ich Mobbing in der Schulzeit erlebt habe - andysparkles.de 12. Februar 2021 um 16:14

    […] Warum wir dringend mehr über Depressionen sprechen müssen […]

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