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Urteile nicht über mich

10. Mai 2019
Urteile nicht über mich

„Ich urteile nicht mehr über andere.“, beschließt Sven, der Protagonist aus dem Roman Nullzeit von Juli Zeh. Ich habe es in einem Rutsch im Flieger durchgelesen. Sven sieht Deutschland wie ein Kriegsgebiet und lebt lieber in Frieden auf einer Insel. Er mag es nicht, wie wir ständig über andere Menschen urteilen und mit dem Finger auf sie zeigen. Ich habe erst kürzlich über die Problematik des Lästerns geschrieben, doch ich finde, über jemanden zu urteilen ist nochmals ein anderes Thema. Vor allem frage ich mich: Können wir es uns abgewöhnen?

30something Kolumne auf andysparkles

 

Schwarz Weiß Porträt

 

…die nimmt doch bestimmt Drogen

 

sagt Sven’s Freundin Antje über die exzentrische Urlauberin Jola, die gerade auf der Insel angekommen ist. Nach jedem Gespräch mit neuen Leuten werden diese erstmal auseinander genommen. Jeder Verhaltenszug wird beurteilt. Die ist bestimmt so oder so oder so, weil sie dies und das tut. Sven blockt da jedes weitere Gespräch ab.

 

Wir werden von Geburt an beurteilt

 

Lob und Tadel: Das ist ganz normal in der Erziehung. Wir werden alle von Geburt an von unseren Eltern oder anderen Bezugspersonen – oder eigentlich jeder Person – beurteilt. Doch wie wirkt sich das auf uns aus? Kann selbst Lob Schaden anrichten?

 

Urteile nicht über mich

 

Wenn selbst Lob Schaden anrichtet

Die Psychologie Heute hat in Ausgabe 03/2019 dazu einen interessanten Denkansatz aufgestellt: Selbst Lob kann negativ sein. „Du bist eben gut in Englisch“. Das ist klar ein Lob. Doch gleichzeitig heißt es unbewusst: Du kannst das, ohne was dafür zu tun. Das gilt für alle Aussagen, in denen so eine Feststellung in den Raum geworfen wird. Du bist ein Naturtalent. Du bist eben gut in Mathe. Das und das liegt dir. Da strengt man sich doch direkt mal weniger an, weil man „kann“ es ja. Wenn dann die nächste Englischarbeit vergeigt wird, ist man unbewusst davon überzeugt: „Ich bin doch nicht gut in Englisch“. Außerdem setzt es gewaltigen Druck aus. Versagen wäre ganz schlimm. Viel besser ist es, anders zu loben: „du hast gut geübt“, zum Beispiel. Das zeigt: Fleiß führt zum Erfolg.

 

Loben bedeutet Macht

US-Psychologe Richard Farson ist gegen Lob: Denn wer lobt, zeigt damit Macht. Damit zeigst du, dass es dir zusteht, uns zu bewerten. Es klingt erstmal erstaunlich, so zu denken. Er geht sogar noch weiter und sagt, dass Lob auch eine Form von Manipulation ist. Definitiv ist es so, wenn es von den falschen Leuten kommt. Vielleicht lobt der Chef dich nur, damit du noch mehr Engagement zeigst. Der Kern der Sache ist nämlich, dass das Lob meist dem, der es ausspricht, mehr bringt als dem, der gelobt wird.

 

Urteile nicht über mich

 

Mach dich frei von den Urteilen anderer

Wir alle werden beurteilt, gelobt, kritisiert. Das wird sich nie ändern. Wichtig ist es, diese Bewertung oder dieses Urteil nicht einfach anzunehmen. Denk darüber nach. Ist dir die Meinung so wichtig von deinem Kollegen, der deine Arbeit nicht gut oder besonders toll findet? Wenn ja, warum denn? Entscheide ich mich so, weil ich es anderen recht machen möchte oder ist das wirklich meine eigene Entscheidung?

 

Wie sehr beeinflussen uns die Urteile der Menschen in unserem Umfeld? Hier steht auch wieder die alles entscheidende Selbstliebe an ganz großer Stelle – denn sie schützt uns davor, uns nicht zu abhängig zu machen von der Meinung anderer.

 

Wie denkt ihr über das Thema nach?

 

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1 Kommentar

  • Antworten Jana 12. Mai 2019 um 21:04

    So hab ich über Lob noch gar nicht nachgedacht! Der Beitrag regt zum Nachdenken an!

    Liebe Grüße
    Jana

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